Meilensteine der Popmusik (21): Bruce Springsteen

Eine Mischung aus Elvis und James Dean, mit der Botschaft des jungen, zornigen Bob Dylan. Ein PR-Zombie – oder doch die „Zukunft des Rock’n’Roll“? So nämlich hatte ihn ein US-Kritiker hochgelobt, und seinen Spruch flugs für 50.000 US-Dollar an die Platten-Company verscherbelt. Wer war dieser neue Rebell Mitte der 70er?

Bruce Springsteen ist irisch-italienischer Abstammung und kam in New Jersey zur Welt. Er wuchs auf im spießigen Mief des US-Kleinbürgertums. Da waren die ungeliebten Sonntagsausflüge mit der Familie, und die Bewunderung für Vaters Achtzylinder. Die Schule war ein Graus. Viel später zog Bruce in einem Song ganz kurz Bilanz: „Von einer 2 1/2 Minuten-Single lernte ich mehr als von all´ meinen Lehrern …“ Diese Single war damals von den Beatles, und wurde so etwas wie ein Lebensmotto für Bruce Springsteen: „Twist and shout!“

Aber vorher kam noch die erste heimliche Liebe – unten am Fluss. Immer, wenn Bruce, der Teenie, dann spät nach Hause kam, warteten in der Küche noch die Eltern. Bruce hatte sich schon vorsorglich seine etwas zu langen Haare hinter den Kragen gesteckt, denn er wusste, dass sein Vater ihn, wie immer, ansprechen würde: „Was denkst du eigentlich, was du aus deinem Leben machst?“

Dann kam eines Tages der Musterungsbescheid. Bruce wurde nicht genommen. Nur seine Freunde flogen nach Vietnam. Einige kamen zurück, viele blieben dort. Fast 20 Jahre später besang Bruce Springsteen dieses Leben. Sein Leben und das vieler Amerikaner dieser Generation. Und wir fragten uns: Ist er nun ein Patriot oder ein Revoluzzer?

„Born in the USA“ zeigte schon auf dem Cover Flagge: Stars and Stripes, dazu Blue Jeans, Boots und Baseball-Cap. Willkommen im Schlaraffenland. Doch die Songs klärten auf: über die neue Depression, die Wunden des Vietnam-Krieges, Arbeitslosigkeit und die Not der armen Farmer des weiten Westens. Seine Abrechnung ließ keinen aus, weder Eltern, noch Politiker. Und auch die alten Freunde nicht, die mittlerweile angepasst deren Plätze übernommen hatten. Amerikas Jugend war begeistert und zog tausendfach mit Sternenbanner in seine Konzerte, die wie eine Mischung aus feierlicher Messe und ausgelassener Party zelebriert wurden. Dass seine Botschaft nicht nur rein amerikanisch war, bemerkte man bei seinen weltweiten Konzerterfolgen.

Diese LP mit allein sieben Single-Hits hat Bruce Springsteen zum Weltstar gemacht. Und hier – außerhalb der USA – wurde das Urteil dann auch objektiver. Er ist beides: Patriot und auch ein wenig Revolutionär, in erster Linie aber Rock‘ n‘ Roller ! Für seine eingeschworenen Fans ist es bis heute noch einfacher: Bruce hat immer Recht. Er ist „der Boss“.

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5 Kommentare zu Meilensteine der Popmusik (21): Bruce Springsteen

  1. Michaela sagt:

    Hm. Wenn man also ausgemustert wurde, kriegte man auch keine Union Card und damit keine Arbeit? Das erscheint mir unwahrscheinlich.
    Ich könnte mir eher vorstellen, dass der erzkatholische und konservative Vater nix mit Gewerkschaften zu tun haben wollte, deshalb das „That’s good.“
    Aber auch das ist reine Spekulation. Who knows? I don’t.

  2. Hans Hermann Pöpsel sagt:

    Eine „Union Card“, und das singt er wirkli
    ch, ist meines Wissens eine spezielle Berechtigungskarte, die man brauchte, um als Jugendlicher ohne Highschool-Abschluss eine Arbeit aufzunehmen, und die war, wie mir jemand erklärte, damals an die Musterung gekoppelt. Ob das so stimmt, kann ich also nicht sicher behaupten.

  3. Bernd Berke sagt:

    Michaela, da ist offenkundig was dran, siehe z. B. hier: http://www.yourdictionary.com/union-card

  4. Michaela sagt:

    Ich kenne diese Live-Aufnahme nicht. Sagt er wirklich „union card“? Ich dachte immer, das heißt „Gewerkschaftsausweis“.

  5. Hans Hermann Pöpsel sagt:

    Die Geschichte von der Liebe am Fluss geht in der Live-Aufnahme noch etwas weiter: Springsteen erzählt im „Vorspann“, wie er nach Hause kommt und sein Vater ihn nach der „Union Card“, also dem Musterungsbescheid fragt, und Bruce sagt, „Sie haben mich nicht genommen“, und der Vater, auch für Bruce überraschend: „That’s good!“. Auch eine Form von Patriotismus.

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