Meilensteine der Popmusik (16): Queen

Klamauk, Anarchie, Chaos und Witz – das waren die üblichen Ingredienzien für einen Film der legendären US-Komiker „The Marx Brothers“ aus den 30ern. Er gehört bis heute zu den großen Lachorgien der Filmgeschichte. Den Titel dieses Films lieh sich eine britische Rockgruppe 40 Jahre später (1975) für ihre damals aktuelle LP aus: „A night at the opera“. Die Gruppe nannte sich respektlos Queen – und hatte nicht einmal fünf Jahre Karriere auf dem Buckel.

Von den Fans wurde sie gerade als neue britische Rockhoffnung gefeiert, da hatte sie die professionellen Musikkritiker auch schon ins Visier genommen. Man konstatierte u.a.: Die Band hat zu viel Kopf – zu wenig Bauch. Immerhin konnte Gitarrist Brian May einen Doktortitel in Astronomie vorweisen, Drummer Roger Taylor einen solchen in Biologie. Sänger Freddie Mercury hatte Grafik und Design studiert und mit Auszeichnung abgeschlossen. Das war den Rock-Fachleuten einfach zu viel Intelligenz auf einmal. Musikalisch sprach man sogar von einer billigen Led-Zeppelin-Kopie. Und man schoss sich auf den Kopf der Gruppe ein: Sänger Freddie Mercury wurde als homophile Rock-Diva bespöttelt. Dass sie damals über einen der besten britischen Rocksänger herfielen, merkten viele erst später.

Queen war zwar die Band, aber zwei Bandmitglieder ragten dennoch heraus. Zum einen der Gitarrist Brian May, der mit seiner Gitarre alle Stimmungen abbilden konnte, von wild kreischend bis zärtlich flüsternd. Und Freddie Mercury, der mit seinen Stimmen-Collagen die gesamte Produktion von „A night at the opera“ geradezu vollständig einnahm. Bis zu 180 Mal vervielfältigte er seine Stimme im „Overdub“-Verfahren, eine aufwendige und zeitraubende Geschichte, für die ein neuzeitlicher Computer in der Gegenwart nur wenige Minuten benötigen würde.

Der Spagat zwischen Klassik und Rock schien bei „A night at the opera““ zum ersten Mal so richtig geglückt. „U“ und „E“ gaben sich die Hand. Vor allen Dingen der letzte Song der LP, das sechs Minuten lange „Bohemian Rhapsody“, wurde zum Höhepunkt dieses Rocktheaters. Das erkannten Band und Plattenbosse schon frühzeitig; doch wer sollte diese (über-)lange Single im Radio spielen? Und wie und wo konnte man diesen Titel eventuell kürzen? Natürlich konnte und wollte man das Werk nicht beschneiden. Also wurde „Bo Rhap“ (so nannte es die Band kurz) dann doch in Originallänge veröffentlicht. Das Ganze mit einem riesigen PR-Aufwand. Dazu gehörte u.a. ein Promotionfilmchen, der das Zeitalter der Videoclips um ein paar Jahre vorwegnahm. Es war ein Rockklassiker für die Ewigkeit entstanden.

Das Gesamtergebnis war überwältigend und bedeutete den endgültigen Startpunkt der Welt-Karriere für Queen. Der elegante, pompöse und dramatische „Opernabend“ machte zudem Freddie Mercury zur neuen Kult-Figur, und für seine Fans letztlich unsterblich.

QUEEN auf youtube

teilen, mailen, druckenShare on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterPin on PinterestShare on LinkedInShare on TumblrShare on StumbleUponEmail this to someonePrint this page
Dieser Beitrag wurde unter Musik & Konzert, Rock & Pop abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Meilensteine der Popmusik (16): Queen

  1. Pingback: Rock als Religion: „We will rock you“ im Colosseum Essen » Revierpassagen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.