Der Weg zu den Oscars (Teil 2): Die Filme von Michael Haneke und Quentin Tarantino

„Amour“: Mein absoluter Favorit. Darf alle fünf Nominierungen gewinnen, wenn’s nach mir ginge. Aber besonders Michael Haneke („Best Director“), Emmanuelle Riva („Best Actress“). Mein ausführlicher Bericht steht hier: http://leah-live.blogspot.de/2012/10/liebe-ein-film-von-michael-haneke.html)

„Django Unchained“: Ach, Quentin Tarantino! Wie immer: Ironie, Spaß und rasante Action mit dem Tarantino-üblichen Maß an Schießen, Prügeln und Messerstecherei. Es muss nicht immer Sinn ergeben, es dürfen Fragen offen bleiben. Oder anders, Fragen sollten gar nicht gestellt werden. Einfach so hinnehmen, wie es angeboten wird.

Warum sollte ich mir Gedanken darüber machen, wieso so plötzlich und vor allem so bequem der etwas merkwürdige deutsche Zahnarzt Dr. King Schultz (Christoph Waltz, nominiert für „Best Supporting…“, den Golden Globe hat er schon) mitten im Wald auf einen Sklavenhändler trifft, und der ausgerechnet diesen Django im Angebot hat, der genau weiß, wo die vom Zahnarzt (und dem Sheriff) gesuchten Verbrecher„dead or alive“ sind, und wie sie aussehen? Dr. Schultz ist hauptamtlich als Kopfgeldjäger unterwegs, und er praktiziert die in Western weitverbreitete Regel: „Erst schießen, dann fragen“ oder „Nur ein toter Verbrecher ist ein guter Verbrecher“. Oder waren das die Indianer? Sein Gegenspieler ist der berüchtigte und gnadenlose Sklavenhalter Calvin Candie (Leo diCaprio).

Warum Tarantino nicht als „Best Director“ nominiert wurde, ist mir schleierhaft, aber wenigstens doch noch für „Best Original Screenplay“. Jamie Foxx (als Django) geht auch leer aus. Dass diCaprio, das Hollywood-Zugpferd, nicht nominiert wurde, ist eine Überraschung. An dieser Stelle empfehle ich gern noch mal „Lincoln“ zum besseren Verständnis des historischen Hintergrunds. Christoph Waltz schätze ich schon seit vielen Jahren sehr. „Parole Chicago“ – unvergessen. In der Rolle des Dr. Schultz ist Waltz ein hervorragender „Guter“. In Tarantinos „Inglourious Basterds“ ist Waltz ein hervorragender „Böser“. Ich nehm ihm beides ab. Tarantino hat Waltz zum Weltstar gemacht. Waltz hat „seinen“ Regisseur gefunden.

Es herrscht allgemeine Aufregung über den mindestens hundertfachen Gebrauch von „Nigger“. Heute möchte das zu Recht niemand mehr hören, aber „them was the times“, so hieß das Schimpfwort jener Zeiten eben. Wenn heutzutage hier (oder anderswo) ein Film über das Dritte Reich gedreht wird, dann spricht niemand über „Menschen mit unterschiedlicher Religion“ oder „…mit Migrationshintergrund“. Das ist so, als würde man in neueren Filmen, die vor 100 Jahren spielen, von einem „Smartphone“ sprechen, wenn man ein Morsegerät meint. In „Django unchained“ spricht man eben die Sprache, die zu Zeiten des Sklavenhandels üblich war.

Man darf, ja man muss sich allerdings darüber empören, wenn dieses Wort heute (mit der vollen Absicht zu beleidigen und erniedrigen) noch immer benutzt wird. Und es wird ja. Leider.

– Fortsetzung folgt –

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