Endlich wieder Bundesliga! – Doch der ARD mangelt es an Spielpraxis

Endlich rollt der Ball wieder. Die 51. Bundesliga-Saison ist eröffnet. Manche(r) wird seufzen, andere werden frohlocken. Jedenfalls war – selten genug – die ARD mal wieder mit einer Live-Übertragung der Liga an der Reihe. Wenn man so selten zum Zuge kommt, kann sozusagen keine richtige Spielpraxis entstehen.

ARD-Kommentator Gerd Gottlob (© NDR/Marcus Krüger)

ARD-Kommentator Gerd Gottlob (© NDR/Marcus Krüger)

Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach hieß die Paarung, der Klassiker der 70er Jahre also. Bereits nach 16 Minuten stand es 2:0 für die Bayern, es drohte jene Langeweile, die viele (wohl etwas voreilig) für die ganze Saison befürchten. Abwarten! Zwischendurch wurde es – durch ein Eigentor von Dante – ja auch noch mal ein wenig spannend, bevor die Münchner mit dem doppelten Handelfmeter zum 3:1 alles klar machten.

Neckische Turnübungen vor dem Anpfiff

Das Geplänkel vor dem Anpfiff uferte zwar zeitlich nicht aus, zog sich aber dennoch gefühlt in die Länge. Spürbar war das Bemühen, die derzeit erfolgreichste Liga der Welt für die Zuschauermärkte in Asien usw. zu inszenieren. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass wirkliche Fußballfans irgendwo auf dem Erdball für die neckische Turnerei von 210 weiß Gewandeten empfänglich sind, die unter anderem das Logo des deutschen Liga-Verbands nachstellen. Zyniker könnten sagen: Doch! In Nordkorea weiß man so etwas vielleicht zu schätzen. Aber just dort wird es nicht übertragen…

Ein „Messias“ namens Pep Guardiola

Bayerns neuer Trainer Pep Guardiola muss so etwa wie der Messias sein, so sehr stand er im Mittelpunkt der Live-Sendung. Kommentator Gerd Gottlob wunderte sich ein ums andere Mal, wie unaufhörlich der Coach an der Seitenlinie gestikulierte.

Auch sonst schilderte Gottlob das Spielgeschehen ziemlich schlicht, er verbreitete gepflegte Langeweile ohne jedes verbale Risiko. Freunde, die das Spiel parallel beim Bezahlsender Sky gesehen haben, sind freilich mittendrin mit fliegenden Fahnen zum „Ersten“ gewechselt, weil bei Sky mal wieder der gar sehr von sich überzeugte Marcel Reif zugange war. Gottlob-Sätze wie „Die Bayern sind heute nicht unverwundbar“ oder sein häufiges bübisches Kichern („Gleich drei gegen Ribéry-hi-hi“) reißen einen aber auch nicht gerade vom Sessel.

Mehmet Scholl und die Freude am Fußball

Erfrischend wie immer war hingegen Mehmet Scholl. Der Experte, von Haus aus geradewegs ein Bayer, redet ebenso freimütig wie fundiert, ohne sich selbst allzu wichtig zu nehmen. Er vermittelt glaubhaft und ansteckend das Gefühl, auf die Feinheiten des Spiels gespannt zu sein. Er hat einfach Freude am Fußball. Und er bleibt dabei weitgehend neutral.

Moderator Matthias Opdenhövel verkörpert für meinen Geschmack zu sehr den Yuppie-Typus, wie er seit den 80er Jahren gängig ist, aber bitte: Er macht keine groben Schnitzer und schaukelt die Sendung mit einer gewissen Routine.

Fazit: Angesichts der Tatsache, dass sie so selten übertragen dürfen, machen die ARD-Leute ihre Sache doch noch recht passabel.

Aber den anschließenden „Sportschau-Club“, der wieder aus dem Revier (Herten) kam, den habe ich mir zu später Stunde nicht mehr angetan. Das ist denn doch etwas für die Hartgesottenen.

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Der Beitrag ist in ähnlicher Form zuerst bei www.seniorbook.de erschienen

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), davon die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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