Superheld baut Mist

Kaum zu fassen. Da hat dieser schwarze Superman Hancock gerade mal wieder in höchster Not eingegriffen und etliche Menschenleben gerettet. Und trotzdem sind ihm die Bürger von Los Angeles gram.

Seine übermenschlichen Aktionen (er kann natürlich fliegen und ist unverwundbar) verursachen nämlich jedes Mal millionenschweren Schaden an Bauwerken und Fahrzeugen. Der chaotische „Hancock” kann einfach nicht mehr an sich halten, wenn er einmal in Schwung gekommen ist. Dann baut er Mist.

Will Smith verkörpert diesen versoffenen (Anti)-Helden, der vorzugsweise derbe Kraftworte im Munde führt. Die TV-Stationen sagen ihm nur Schlechtes nach und rufen ihn zum Rückzug für immer auf. Wird Zeit, dass er sich ein neues Image zulegt.

Da fügt es sich, dass der gescheiterte PR-Berater Ray Embrey (Jason Bateman) seinen Weg kreuzt. Der hat zwar beruflich Pech, kennt aber doch ein paar Schliche, nach denen man öffentlich besser da-steht. Rays kleiner Sohn ist derweil stolz, dass sein Papa so einen coolen Kraftprotz betreut, der zum Dank die feindliche (französische!) Zicke aus der Schulklasse in die Flucht schlägt. Leichteste Übung.

Aus dem Widerspiel der verkrachten Existenzen Hancock und Ray schlägt Peter Bergs Film ein paar Funken. Ein Superman, der jederzeit ausbrechen könnte, gibt zwischen frustrierten Finsterlingen im Knast nun mal eine komische Figur ab. Und selbst ein solcher Heros, so lernen wir, muss heutzutage in den Staaten politisch korrekte Ansagen machen, bevor er etwa eine Frau aus Feuersbrünsten und Schusslinien trägt: „Dies ist keine sexuelle Belästigung. Womit ich nicht sagen will, dass Sie unattraktiv wären . . .” Sicher ist sicher.

Die mitunter rasante Action bleibt jedenfalls streckenweise Nebensache, es gibt sogar Ansätze zu einer Charakterzeichnung. Doch hinterher türmen sich Klischees und es trieft Pathos. Ein kriminelles Superhirn (Einarmiger mit Hakenhand, versteht sich) wird zum ultrabösen Widersacher. Vor allem aber muss es partout noch eine Pseudo-Liebesgeschichte zwischen Hancock und der blonden Gattin des PR-Mannes (Charlize Theron) geben, die unerträglich spinnertes Gefasel nach sich zieht.

Wie diese Story nun gewaltsam ins lachhaft „Phantastische” hochgerissen wird, das will ich hier nicht verraten. Sonst wäre auch das letzte bisschen Spannung futsch.

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), davon die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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