Unstillbare Begehrlichkeit der Bessergestellten – eine verbreitete Form der Barbarei

Um niemanden bloßzustellen, will ich nicht so deutlich werden. Sagen wir also, notgedrungen etwas gestelzt: Wir reden von einer Institution, die sich einem Zweig der kulturellen Bildung widmet. Irgendwo im Ruhrgebiet. Bundesweit renommiert.

Um das hohe Niveau zu halten, wählen sie ihre Schülerinnen und Schüler nach strengen Maßstäben aus. Ohne Ansehen des sozialen und finanziellen Hintergrunds. Gut so.

Darf's noch etwas mehr sein? (Foto: Bernd Berke)

Darf’s noch etwas mehr sein? (Foto: Bernd Berke)

Doch gerade das bringt Höhergestellte auf die Palme. Wie man hört, gibt es immer wieder Fälle, in denen sich prägende Gestalten des „öffentlichen Lebens“, zumal aus Wirtschaft und Politik, mit ihren maßlosen Ansprüchen an besagte Institution wenden: Warum denn ihre (selbstredend allesamt hochbegabten) Kinder die Hürden der Vorprüfungen nicht genommen hätten? Da müsse man doch wohl schleunigst nachjustieren…

Doch auch wenn die Sprösslinge es durch eigene Begabung geschafft haben, sind manche Besserverdiener nicht zufrieden. Es gibt nur einige wenige Förderplätze für die wirklich Bedürftigen. Von denen trauen sich manche nicht, sich zu bewerben – aus falscher Scham oder sonstigen traurigen Beweggründen. Wer sich aber traut, sind manchmal just jene, die überhaupt nicht gemeint sind. So hatte etwa ein Paar mit rund 10000 Euro Monatseinkommen die Stirn, einen Antrag auf soziale Beihilfe auszufüllen.

Beiderlei Begehrlichkeiten sind Anzeichen eines widerwärtigen Klassenkampfs von oben. Gewiss: Etliche Angehörige der gehobenen Mittelschicht haben mehr Anstand und Fairness im Leibe. Aber man mag nicht so recht glauben, dass deren Anzahl zunimmt. Eher scheint es so, als ob die Hässlichkeit wüchse und Entsolidarisierung sich rotzfrech ausbreite. Mit Kultur hat das nichts zu tun. Umso mehr mit Barbarei.

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), davon die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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