Lesebuch erinnert an den Autor Willy Kramp

Bald jährt sich zum 30. Mal der Todestag des bekannten Schwerter Schriftstellers Willy Kramp (18.6.1909-19.8.1986). Ein Lesebuch, das der Autor Heinrich Peuckmann zusammengestellt hat, erinnert an den Mann, der für einige Jahre Leiter des Evangelischen Studienwerkes in Villigst war.

Während des Zweiten Weltkrieges kam Willy Kramp mit dem Widerstand gegen Hitler in Kontakt. Seine Erlebnisse hat Kramp in dem Werk „Brüder und Knechte“ verarbeitet, aus dem Peuckmann einige Abschnitte für das jetzt erschienene Lesebuch ausgewählt hat. In diesen Passagen schildert Kramp, wie er während der letzten Jahres des Zweiten Weltkrieges mit dem Offizier Roland von Hößlin ins Gespräch kommt und sich schon sehr schnell abzeichnet, dass sie beide Hitler nicht nur ablehnen, sondern auch alles daran setzen würden, ihn loszuwerden. Gleichwohl spiegeln sich in den Unterhaltungen auch die Bedenken von Soldaten wider, die einen Eid auf Hitler geschworen haben und sich zur Treue verpflichtet fühlen.

Kramp

Als das Attentat vom 20. Juli 1944 misslingt, stirbt Kramps Hoffnung auf ein Ende des Tötens „Millionen unschuldiger Menschen“. Er wäre wahrscheinlich wie Hößlin, der im Oktober 44 hingerichtet wurde, in die Fänge der Nazis geraten, aber der Offizier hatte die Unterlagen vernichtet, in denen der Name des späteren Schriftstellers auftauchte.

Auf das Ende des NS-Regimes folgt, wie es Willy Kramp eindrucksvoll schildert, das böse Erwachen bei den meisten Deutschen, die jetzt erst das gesamte Ausmaß des Terrors begreifen.

Der gebürtige Elsässer gerät selbst in sowjetische Gefangenschaft, in der er viele Grausamkeiten sehen und erleben muss, wie er es in einer Erzählung schildert. Kramp gibt jedoch zu bedenken, wie sehr sowjetische Soldaten in deutscher Gefangenschaft zu leiden hatten.

Mit seinem Buch „Brüder und Knechte“ hat Kramp auch posthum Aufsehen erregt. Eine Neuauflage im Jahr 2000 stand mehrere Wochen auf der „Spiegel“-Bestsellerliste.

Mit dem Lesebuch gelingt es Peuckmann, die wesentlichen Charakteristika des Autors hervorzuheben. Meist sind es die existenziellen Fragen des Lebens, denen sich die Figuren in den Erzählungen stellen müssen: In einer Fischerfamilie schaffen es Mutter und Sohn nur mühsam, den Tod engster Angehöriger zu verarbeiten, die bei einem tragischen Unglücksfall gestorben sind. Ein Patient glaubt, nach einem Herzinfarkt bald wieder ein normales Leben führen zu können, bis man bei ihm Metastasen findet. Ein Jugendlicher setzt alles daran, das Schaf, mit dem er zusammen aufgewachsen ist, vor dem Schlachter zu retten.

Dem Schriftsteller, der 1967 den Droste-Hülshoff-Preis erhielt, gelingt es stets, tiefgründige Fragen durch Geschichten aus dem Alltag anschaulich zu beschreiben. In der Erzählung über ein Wespennest, das er als Hauseigentümer entfernen musste, zeigt sich Kramps Sinn für die feine Ironie. In fiktiven Zwiegesprächen versucht die Wespenkönigin, ihm ein schlechtes Gewissen einzureden, sollte er versuchen, ihr Volk umzubringen.

Lesebuch Willy Kramp, zusammengestellt von Heinrich Peuckmann. Nylands Kleine Westfälische Bibliothek (54), herausgegeben von Walter Gödden. Aisthesis Verlag. 132 Seiten, 8,50 €.

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