Flüchtlingsdrama in Düsseldorf: „Wir sind keine Barbaren“ von Philipp Löhle

Foto: Sebastian Hoppe/Düsseldorfer Schauspielhaus

Foto: Sebastian Hoppe/Düsseldorfer Schauspielhaus

Zunächst fühlt man sich an Yasmina Rezas „Gott des Gemetzels“ erinnert: Zwei Ehepaare, eine Yuppie-Wohnung, ein Konflikt. Doch spätestens als der Chor beginnt, die Nationalhymne zu summen, wird klar, dass es sich hier um eine deutsche Angelegenheit handelt.

„Wir sind das vollkommene Volk, wir müssen uns schützen“, skandieren die wohlgekleideten Menschen aller Altersgruppen und sehen dabei so harmlos aus wie in der Vorabendwerbung im ZDF. Und das Problem, das Barbara und Mario sowie Linda und Paul umtreibt, ist ein hochaktuelles: Bringen sie sich in Gefahr, wenn sie einen Flüchtling in der Wohnung aufnehmen oder handelt es sich um ein Gebot der Menschlichkeit?

Mona Kraushaar hat Philipp Löhles „Wir sind keine Barbaren“ am Düsseldorfer Schauspielhaus inszeniert und damit die Balance zwischen Boulevard und politischem Theater gefunden.

„Wir sind nicht zufrieden, mit dem, was wir haben“, deklamiert der Chor, „wir rufen nach 22 Uhr nicht mehr an, wir sind stolz auf uns.“ Auf diese Weise dargeboten, reizen deutsche Sitten und Gebräuche regelrecht zum Lachen. Wäre die Situation nicht so ernst: Zwischen Barbara (Stefanie Rösner) und Mario (Jonas Gruber) kommt es zu Meinungsverschiedenheiten, weil Barbara den Flüchtling Bobo (oder heißt er Klint?) eingeladen hat, bei ihnen zu leben, während ihr Ehemann lieber mit ihr und seinem riesengroßen Flachbildschirm alleine wäre.

Auch die neuen Nachbarn Linda (Bettina Kerl) und Paul (Dirk Ossig) können mit Barbaras Altruismus überhaupt nichts anfangen. Linda bezichtigt ihre Nachbarin, eine Sozialromantikerin zu sein, und Paul beginnt mit dem Bau eines Schutzraumes in seiner Wohnung, denn man wisse ja nie, was diese Afrikaner so im Schilde führten.

Foto: Sebastian Hoppe/Düsseldorfer Schauspielhaus

Foto: Sebastian Hoppe/Düsseldorfer Schauspielhaus

Wie es der Boulevard so will, spitzt sich der Konflikt natürlich zu: Barbara wird ermordet und nur der Flüchtling kann es gewesen sein, wer sonst? Das nette Vorstadtleben schliddert in die schwärzeste Abgründigkeit aus Rassismus, Vorurteilen und Scheinheiligkeit.

Der Dramatiker Philipp Löhle, geboren 1978, findet trotzdem noch einen überraschenden Dreh am Schluss, der hier aber nicht verraten werden soll…

Karten und Termine: www.duesseldorfer-schauspielhaus.de

 

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