Gilgamesh muss erwachsen werden: Eröffnung der Theatersaison in Düsseldorf

Das Schauspielhaus Düsseldorf im Zelt Foto: Eva Schmidt

Das Schauspielhaus Düsseldorf im Zelt
Foto: Eva Schmidt

Der Mann in Unterhose rennt über die Kö. Er ist mit verkrustetem Schlamm bedeckt und schreit.

Es handelt sich aber nicht um ein Shopping-Victim, sondern um Gilgamesh (Christian Erdmann), dem Theaterzelt entsprungen, das am Anfang der Düsseldorfer Königsallee aufgebaut ist. Hier eröffnete das Schauspielhaus unter der neuen Intendanz von Wilfried Schulz die Saison und öffnete sich gleichzeitig zur Stadt hin – mit einer sehr lebendigen, witzigen, aber nicht unbedingt tiefschürfenden Inszenierung des archaischen Gilgamesh-Mythos (übertragen von Raoul Schrott) von Roger Vontobel.

Uruk hieß diese erste City, 5000 vor Christus. Sie lag im Zweistromland. Bei Vontobel liegt Uruk in der Zirkusmanege , die großen Leuchtlettern, die einem Hollywood-Schriftzug nacheifern, sind zerbrochen, der Grund ist sandig, der Herrscher Gilgamesh verkommen, grausam, egomanisch. Er hurt herum, plustert sich auf, ein eitler Nichtsnutz.

Aus Sorge um die Stadt erflehen die Bürger Hilfe und diese kommt in Gestalt von Enkidu, dem Naturmenschen. Sehr tänzerisch ist die Schöpfung dieses Wesens aus Lehm umgesetzt, das zunächst wie ein Tier unter Tierherden lebt und nach und nach zu einem Menschen, sogar einem besseren Menschen wird. Eine kraftvolle und körperbetonte Performance liefert dabei der Tänzer Takao Baba, später übernimmt André Kaczmarczyk den Sprechpart der Rolle und erinnert eher an Jesus, den Propheten. Er findet den Weg unter die Menschen, in die Stadt und liefert sich mit Gilgamesh einen Zweikampf, der zum Glück in Freundschaft endet.

Als Freunde, die niemand trennen kann, wollen beide nun die Welt erobern und haben es zunächst auf den Beherrscher des Waldes Humbaba abgesehen. Ein Abenteuertrip für Halbwüchsige, es fehlt eigentlich nur noch der Campingkocher. Klar, dass sie den Waldkönig besiegen und erfolgreich wie nie zuvor nach Uruk zurückkehren.

Doch die Story wäre nicht stimmig, würde nicht doch noch das Schicksal zuschlagen: Enkidu wird krank und kränker, schließlich stirbt er und lässt einen fassungslosen, fast traumatisierten Gilgamesh zurück. Die neue Aufgabe lautet nun: Werde erwachsen! Ganz unmissverständlich macht seine Mutter Ninsun (Michaela Steiger) ihm das klar. Die blonde Diva im Glitzerkleid ist schon etwas länger Königin und weiß, wo die Reise hingeht: heiraten, Kinder kriegen, ordentlich regieren. Das soll der nichtsnutzige Spross jetzt mal endlich lernen und nun sieht er es auch selber ein. Über die Kö kann er dann ja immer noch laufen, vielleicht in gemäßigterem Tempo: Am Samstag, zum Shoppen.

Karten und Termine: www.dhaus.de

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Grußwort des Intendanten Wilfried Schulz zur Situation des Theaters in Düsseldorf:
http://www.dhaus.de/home/willkommen/

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