Wesentlich von Anfang an: Alissa Walsers Erzählband „Eindeutiger Versuch einer Verführung“

Wer eine eher kürzere, sehr unterhaltsame Lektüre für die Ferienzeit sucht, die sich zudem locker im Handgepäck verstauen lässt, dem sei Alissa Walsers Band „Eindeutiger Versuch einer Verführung“ empfohlen.

Die Schriftstellerin, die u. a. mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet wurde, erzählt skurrile, verstörende oder abwegige Geschichten aus dem Alltag. Obwohl es über 50 solcher Begebenheiten sind, die den Leser immer wieder an neue Orte führen und mit anderen Menschen zusammenbringen, braucht die Autorin dafür gerade mal 160 Seiten. Ihre besondere Stärke liegt vor allem darin, sehr prägnant zu erzählen und sich – von der ersten Zeile an – auf das Wesentliche zu beschränken.

Sie schreibt über Zufallsbekannschaften, wie man sie in der U-Bahn erleben kann, oder über Kontakte, die ganz gezielt zustande kommen, weil der Millionär eben Millionär ist, wenn auch mit einem leicht schrägen Charakter. Familien- und Paarbeziehungen betrachtet sie mit feiner, aber wohlwollender Ironie, indem sie beispielsweise den Wortwechsel in Unterhaltungen gleichsam seziert.

Da im Leben so mancher Familien ein Hund nicht mehr wegzudenken ist, kommt den Vierbeinern auch mehrmals eine Hauptrolle zu. Die Vorlieben und Marotten von Menschen sind ein weiteres Sujet, mit dem sich die Autorin auseinandersetzt, darunter durchaus recht urige Anwandlungen wie beispielsweise die, Spinnennetze auf keinen Fall zu zerstören.

Manchmal zeichnet Alissa Walser Charaktere, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, aber gelernt haben, dieses Schicksal für sich zu akzeptieren. Mit kritischem Blick schaut sie auf die technologische Welt und gibt dem Leser zu verstehen, dass er durchaus selbst entscheiden kann, wie sehr er sich vereinnahmen lassen möchte. Dass man im eigenen Leben aber nicht immer die Richtung bestimmt, sondern auch von Zufällen abhängig ist, gehört ebenfalls zum Themenkreis des Buches.

Bleibt noch zu klären, was es eigentlich mit dem Buchtitel auf sich hat: Den findet der Leser auch als Titel einer der Kurzgeschichten wieder, in der Alissa Walser die Frage nach der passenden und dem Anlass gemäßen Kleidung recht amüsant verpackt.

Alissa Walser: „Eindeutiger Versuch einer Verführung“. Hanser-Verlag, 160 Seiten, 17 Euro.

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