Das pralle Leben: Dortmunder Konzerthaus-Saison 2011/12

Die Farbe des neuen Programmbuchs des Dortmunder Konzerthauses ist rot. Doch keine knallig monochrome Fläche leuchtet uns entgegen, vielmehr bilden sich in feinster Farbabstimmung Gebilde wie Blutkörperchen. Auch auf den Innenseiten sind sie immer wieder zu sehen. Zwischen all den berühmten Dirigenten, Geigerinnen oder Sängern, die sich in der Saison 2011/12 die Ehre geben werden. Die Botschaft: Das Haus lebt.

Intendant Benedikt Stampa drückt das so aus: „Wir wollen uns mehr und mehr in der Stadt verankern und ein Musik-Milieu schaffen.“ Bewusst habe man noch einmal an der Programmschraube gedreht, um nicht nur Gewohntes und Beliebtes zu präsentieren, sondern auch Außergewöhnliches, besondere Werke sowie bemerkenswerte Interpreten.

Neu ist Stampas Ziel, der Urbanität ein starkes künstlerisches Flair beizumengen und dem Publikum gewissermaßen ein Identifikations-Angebot zu machen, natürlich nicht. Schon über Jahre propagierte etwa Kulturdezernent Jörg Stüdemann die Musikstadt Dortmund. Auf dem Weg dorthin waren der Bau des Konzerthauses und später des Orchesterzentrums wichtige Ereignisse. Inzwischen aber hat Stampa es vermocht, das Profil seiner Wirkungsstätte deutlich zu schärfen.

Quantitative und qualitative Vergleiche mit den Philharmonien in Köln und Essen, mit der Düsseldorfer Tonhalle, mögen in diesem Zusammenhang müßig sein. Das exklusive Pop-Abo allerdings, die Konzeption der Reihe „Junge Wilde“ oder die Zeitinseln sprechen in Dortmund eine ganz eigene Sprache.

Der eigentliche Coup aber ist die Verpflichtung des vielseitigen, experimentierfreudigen Dirigenten und Komponisten Esa-Pekka Salonen als Exklusivkünstler. Im September 2010 hatte diese Residenz, die sich über drei Jahre erstreckt, u.a. mit einer von Video-Installationen begleiteten „Tristan“-Aufführung begonnen. Dieser Linie, Musik zu visualisieren, wird er auch in der kommenden Konzerthaus-Spielzeit treu bleiben. Seine Multimedia-Installation „re-rite“, bezogen auf Strawinskys Ballettmusik „Le sacre du printemps“, zieht für vier Wochen ins Dortmunder U. Halbszenisch ist unter Salonens Stabführung Bartóks Oper „Herzog Blaubarts Burg“ zu sehen. Und nicht zuletzt wird das Publikum mit mehreren Werken des finnischen Dirigenten  Bekanntschaft schließen dürfen.

„Wir sind breit aufgestellt“, sagt Benedikt Stampa und verweist auf einen Werkkanon, der von mittelalterlicher Marienmusik bis zu „Lichtes Spiel“ des Zeitgenossen Wolfgang Rihm reicht. Dahinter verbirgt sich zumindest eine kleine Sensation: Denn keine Geringere als Anne-Sophie Mutter wird dieses „Sommerstück“ für Violine und Kammerorchester in deutscher Erstaufführung präsentieren. Mutter und die Moderne – das ist ein spannendes Kapitel, das uns bisher vorenthalten blieb.

Alle näheren Informationen zur Konzerthaus-Saison 2011/12 gibt es unter www.konzerthaus-dortmund.de

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