Begrenzt verfügbar: Wie Dortmund seine Besucher enttäuscht

„Dortmunder U": Auf der Dachterrasse gibt's nicht mal einen Kaffee. (Foto: Bernd Berke)

„Dortmunder U”: Auf der Dachterrasse gibt’s nicht mal einen Kaffee. (Foto: Bernd Berke)

Reisender, kommst du nach Dortmund, so mach dich auf herbe Enttäuschungen gefasst. Und zwar gerade an gewissen Stätten, die der Alteingesessene seinen Gästen von außerhalb eigentlich gerne zeigen möchte. Eigentlich.

Da wäre zum Beispiel der 1959 als Bundesgartenschau eröffnete Westfalenpark. Herrje, wie war man damals stolz auf dieses relativ weitläufige Grün, als der Pott wirklich noch kochte und ungemein rußte. Und heute? Kann man nie sicher sein, dass die paar Hauptattraktionen des Parks zugänglich oder nutzbar sind. Lange, lange Zeit konnte man nicht mit dem Aufzug auf den Florianturm (ein Hauptwahrzeichen der Stadt) fahren, um vom prinzipiell drehbaren Restaurant oder von einer Plattform aus die tatsächlich phänomenale Fernsicht auf Stadt und Land zu genießen.

Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt: der Florianturm im Westfalenpark. (Foto: Bernd Berke)

Weiteres Wahrzeichen der Stadt, auch nicht immer zugänglich: Florianturm im Westfalenpark. (Foto: Bernd Berke)

Schlimmer noch: Die Gastronomie zu Füßen des Turms war zuweilen eine schiere Katastrophe, für die man sich bei seinen Gästen entschuldigen musste (obwohl man ja nichts dafür konnte). Und das mächtige Sonnensegel, unter dem früher Konzerte gegeben wurden? Bereits seit 2012 eine für Besucher gesperrte, baulich marode Schadstelle. Immerhin scheint hier nach beiläufig sechs Jahren Abhilfe in Sicht zu sein.

Es herrscht ein starres Schema

Kurze Impression vom letzten Sonntag, vom Wetter her ein geradezu idealer Tag für den Westfalenpark, auf den man auch mal flexibel reagieren müsste, was die Personalplanung angeht. Doch nein, es herrscht allzeit ein starres Schema. Die Seilbahn-Gondeln fahren – wie so oft – gar nicht, das Park-Bimmelbähnchen macht ebenso vor 18 Uhr Schluss wie der Bootsverleih. Peinlich, peinlich. Der 2. September lag zwar nach den Sommerferien, müsste aber doch noch zur Hauptsaison zählen; zumal, wenn die Witterung so einladend ist. Aber hier gelten rigoros begrenzte, servicefeindliche Arbeitszeiten. Obwohl die Kräfte, die da zugegen sind, wohl vielfach nur aushilfsweise arbeiten. Auskünfte simpelster Art können sie jedenfalls oft nicht erteilen.

Seit etlichen Jahren nicht mehr zu sehen: imposantes Sauriermodell im Naturkundemuseum. (Foto vom Januar 2011: Bernd Berke)

Seit etlichen Jahren nicht mehr zu sehen: imposante Sauriermodelle im Naturkundemuseum. (Foto vom Januar 2011: Bernd Berke)

Dann eben ins Naturkundemuseum? Von wegen! Das einst besucherstärkste Museum der Kommune wird seit etlichen Jahren umgebaut. Und umgebaut. Und umgebaut… Im September 2014 wurde das Haus geschlossen, 2016 wollte man es wieder öffnen. Haha, guter Scherz. Zahlreiche Planungs- und Baupannen führten zu Verzögerungen und entsprechenden Kostensteigerungen. Jetzt geht die Rede, dass es im September 2019 also nun aber wirklich so weit sein soll, dass… Warten wir’s ab.

Oh nein, jetzt bitte keine billigen Vergleichs-Scherze über die „Fertigstellung” des Berliner Flughafens BER am Sankt-Nimmerleinstag. Und bitte auch keine hämischen Anspielungen auf den Slogan „Dortmund überrascht. Dich.” Der stimmt halt nicht immer so, wie er gedacht war.

Gekonnte Touristen-Abschreckung

Angesichts solcher Flops mögen vielleicht manche erwägen, ihren auswärtigen Besuch dann eben zum Kultur- und Kreativzentrum „Dortmunder U” zu lotsen, wo man von der Dachterrasse wirklich interessante Blick-Perspektiven auf die gesamte (Innen)-Stadt erhaschen kann. Doch ach, dort fordert eine schnarrende Lautsprecherstimme dringlich dazu auf, den Ausguck spätestens um 18 Uhr zu verlassen. Auch vorher heißt es schon: bitte Thermoskanne, Bütterken oder dergleichen mitbringen. Denn Gastronomie gibt es dort oben nicht. Welch eine Touristen-Abschreckungsmaßnahme, bundesweit vermutlich einzigartig! Immerhin ein Superlativ, wenn auch nicht allzu werbetauglich.

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P.S.: Der Wahrheit die Ehre: Ein paar andere Anziehungspunkte bleiben natürlich noch übrig – Westfalenstadion mit Stadion Rote Erde, Westfalenhalle, Botanischer Garten Rombergpark, Zoo, Industriemuseum Zeche Zollern, Museum Ostwall im Dortmunder U, Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Konzerthaus, Oper und Schauspielhaus, Pferderennbahn, Phoenixsee, Hohensyburg, diverse Wasserschlösser und weitere Sehenswürdigkeiten, die nicht in dieser kurzen Aufzählung vorkommen. Oder hakt es da auch irgendwo?

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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