Den schönen (oder schrecklichen) Kern der Dinge zeigen – heftig gemalte Landschafts-Großformate von Bernd Zimmer in Dortmund

Von Bernd Berke

Dortmund. Der Maler Bernd Zimmer reist durch die ganze Welt. Mal ist er – abseits touristischer Pfade – in der Südsee zu finden, dann wieder zieht es ihn in die Wüste Sahara oder nach Indien. Kann sich ein Mensch, der so unstet unterwegs ist, künstlerisch über Jahre hinweg treu bleiben? Oder sucht er immer wieder rastlos den völligen Neuanfang?

Beides ist der Fall. Zimmer (48), der jetzt im Dortmunder Harenberg City-Center ausstellt, ist seit seiner Frühzeit im Zeichen der „Neuen Wilden“ (Anfang der 80er Jahre in Berlin) kaum je von seinem Hauptwege abgewichen. Immer noch bevorzugt er die heftige Malweise, die stark leuchtenden Farben, die großen Bildformate. Und doch, so sagt er, beginne er mit jedem Bilde neu, denn er wisse nie, ob er „diesmal“ noch eine taugliche Bildformel finde. Bloß keine vorgefertigte Ästhetik, die entsteht immer erst im Malprozeß.

Von der Südsee bis zur Sahara

„Bilder-Landschaften“ heißt die Ausstellung. Doch die vom Künstler wahrgenommenen, flüchtig skizzierten, fotografierten oder gefilmten Naturschauplätze geraten nicht bruchlos ins Bild. Zimmer läßt seine Eindrücke viele Monate lang reifen, bevor er sie wieder aufgreift. Nun sind sie von allem Überflüssigen entschlackt, das innere Wesen tritt hervor.

Beispielsweise die Südsee, wo Bernd Zimmer auf den Spuren Paul Gauguins wandelte. Nicht als liebliches Paradies erscheint ihm die Inselweit, sondern als wild umtoste Gegend, bewacht von urzeitlichen Skulpturen, die vielleicht die technischen Götzen der Gegenwart abwehren sollen – denn auch in diesen entlegenen Winkeln gibt es ja längst Computer, Telefon und Fernsehen.

Die Farben von Feuer, Wasser, Luft und Erde

Naturphänomene, bereinigt und vergeistigt: Da sieht man keine konkrete Blume mehr, sondern die über und über gelb strahlende „Aura“ (Bildtitel) einer Blüte. Kein esoterischer Zauber, sondern Freilegung des schönen oder auch schrecklichen Kerns der Dinge. Das Elementare äußert sich in imaginierten Farben von Feuer, Wasser, Luft und Erde. Die Traumzeit ist angebrochen.

Die Wüstenbilder erstrahlen nicht etwa gelblich, sondern in Rottönen. Verborgene Schichten unter dem Sand scheinen vulkanisch hervorzubrodeln. Ein Gemälde zeigt einen Querschnitt durch den libyschen Wüstenboden. In unterirdischer Tiefe liegt ein blauer See.

Hinter allen Dingen verbirgt sich etwas. Ein Spaziergang evoziert die „Versuchung im Wald“ (1981). Bernd Zimmer erklärt: Damals sei ein Wanderer abgestürzt. Aus dem diffusen Bedrohungsgefühl entstand eine nebelhafte Welt, die vielleicht von Elfen und Trollen regiert wird.

Bernd Zimmer, „Bilder-Landschaften“. Harenberg City-Center, Dortmund. 31. Oktober bis 4. Dezember. Tägl. 10-18 Uhr, Eintritt frei. Katalog 48 DM.

image_pdfPDFimage_printDrucken

Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das, z. B. Zeitschriften, diverse Blogs und andere Online-Auftritte. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
Dieser Beitrag wurde unter Kunst abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.