Ein leuchtendes Beispiel – Wie eine Gruppe von Neheimer Künstlern zum Domizil in Museumsgröße kam

Von Bernd Berke

Arnsberg-Neheim. Bisher drängelten sich die sieben Mitglieder der Neheimer Künstlerguppe „Der Bogen“ auf 160 Quadratmetern Atelierfläche – Küche inbegriffen. Unter solcher Sardinen-Enge litt die Kreativität. Jetzt verfügen sie auf einen Schlag über 800 Quadratmeter. Mehr hat manches Museum nicht. Und die Leute vom „Bogen“ müssen nicht einmal Miete für ihr neues Domizil zahlen. Wie haben sie das bloß geschafft?

Ohne machtvolle Hilfe geht so etwas nicht. Auch die Stadt hat ein wenig mitgesponsert. Doch es ist der Leuchtenhersteiler Thorn-Licht, der als Mäzen buchstäblich mit leuchtendem Beispiel vorangeht und sich die Künstler mietfrei ins Haus holt. Diese hatten „einfach mal angefragt“. Dann ging alles ganz rasch über die Bühne: Auch aus der britischen Konzernzentrale gab es alsbald grünes Licht.

Verwandlung einer Lagerhalle

Eine von der Firma nicht mehr genutzte, helle und luftige Lagerhalle bietet nun reichlich Platz für Ateliers und für Gemeinschafts-Aktivitäten. Auch ein Fotolabor hat man untergebracht. Am Sonntag werden die kunsttauglich hergerichteten Räume, deren anregender Werkstatt-Charakter beim Umbau bewahrt wurde, mit einer Vernissage eröffnet.

Die Beschäftigten der Leuchtenfabrik waren anfangs skeptisch („Was wollen denn die Künstler bei uns?“), haben sich aber inzwischen schon an die neuen Nachbarn gewöhnt, die auch schon mal zu Zeiten ans Werk gehen, wenn nur noch der Nachtportier auf seinem Posten ist. Die Neheimer Thorn-Leitung möchte künftig den einen oder anderen Geschäftspartner durch die Ateliers führen – Kunst als Entspannung vor oder nach harten Verhandlungen.

„Der Bogen“ fand sich bereits 1980 in Neheim zusammen, damals noch 17 Mitglieder stark. Mit der Zeit hat sich die Spreu vom Weizen gesondert. Die Namen der aufrechten Sieben von heute: Haimo Hieronymus (26), Margareta Hesse (Professorin für Gestaltung an der FH Dortmund), John Hosse (27), Kahos (53; bürgerlich: Karlheinz Hosse), Peter Meilchen (46), Pit Schrage (34) und Axel Schubert (44).

Das Wort „Provinz“ kann man vergessen

Wenn man durch die neue Atelierflucht streift, fühlt man sich beileibe nicht wie in der künstlerischen Provinz. Mit Gefälligkeits- und Dekorationskunst will man hier nicht dienen. Die Neheimer Sieben beziehen durchweg zeitgemäße Positionen, und auch die handwerkliche Qualität der Bilder überzeugt. Es ist schon manchmal erstaunlich, was sich abseits der kulturellen Metropolen zuträgt. Selbst kunstverwöhnte Damen und Herren aus Köln oder Düsseldorf dürften einen Abstecher hierher nicht bereuen.

Es gibt beim „Bogen“ einen Gruppengeist, doch kein bindendes Konzept für alle. Die Zeiten kollektiver Festlegungen („Damals hatten alle lange Haare“) seien längst vorbei, finden die Neheimer, die mehrheitlich noch Brotberufe ausüben. Da haben sich also sieben Individuen zusammengefunden, jeder mit besonderen Ambitionen, aber ohne Konkurrenzneid.

„Der Bogen“ hat offenbar den Bogen raus. Und das Sauerland ist um eine kulturelle Attraktion reicher.

Ateliergemeinschaft „Der Bogen“. Arnsberg (Neheim). Möhnestraße 55. Tel.: 02932/81549. Eröffnung der neuen Räume am Sonntag, 2. Juli, ab 16 Uhr. Ausstellung bis 29. Juli, do 17-19, sa 14-18 Uhr.

 

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das, z. B. Zeitschriften, diverse Blogs und andere Online-Auftritte. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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