Tagesarchive: 4. Februar 1994

Natur-Erkundung mit „Lauschangriff“ – Herne: Vier Kunst-Positionen im Umgang mit Holz

Von Bernd Berke

Herne. Möglichen „Lauschangriffen“ sind jetzt die Besucher einer Ausstellung in Herne ausgesetzt. Wenn sie durch den Ausstellungstrakt der Flottmann-Hallen wandeln und etwas sagen, kann es jederzeit auf Tonband aufgezeichnet werden.

Damit alles seine rechtliche Ordnung hat, findet man gleich am Eingang Handzettel vor, die auf die „Abhöraktion“ aufmerksam machen. Die von der Decke herabhängenden Mini-Mikrophone gehören zu einer künstlerischen Arbeit der Düsseldorferin Anja Wiese. Die hat insgesamt 14 alte Tonbandgeräte installiert. Von einer 96 Meter langen Bandschleife, die nacheinander durch all diese Apparate läuft, erklingen durch den Raum wandernde Säge-Geräusche. Und damit wären wir beim Thema der Herner Schau: Vier Künstler befassen sich. auf sehr unterschiedliche Weise, mit dem Natur- und Werkstoff Holz.

Während Anja Wiese nur akustisch die Säge ansetzt und die Kommentare der Besucher aufzeichnet (anschließend wird verfremdet bzw. gelöscht) und somit vielleicht auch Kritik an ihrer Arbeit vom Band zu hören bekommt, hat sich Minka Hauschild dem Holz ungleich direkter genähert. Angeregt von Reisen nach Tibet und Indien, wo sie überall Gebetstücher sah, begab sie sich mit Stoffbahnen in den Wald und holte sich Abdrucke von Baumrinden. Als sie dort auf die Leiter kletterte, die Buchen (am besten geeignete Baumsorte) von oben bis unten umwickelte und den Stoff mit einer Mixtur aus Kleister und Erdpigmenten bestrich, hat so mancher Spaziergänger sich verwundert die Augen gerieben.

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