Natur-Erkundung mit „Lauschangriff“ – Herne: Vier Kunst-Positionen im Umgang mit Holz

Von Bernd Berke

Herne. Möglichen „Lauschangriffen“ sind jetzt die Besucher einer Ausstellung in Herne ausgesetzt. Wenn sie durch den Ausstellungstrakt der Flottmann-Hallen wandeln und etwas sagen, kann es jederzeit auf Tonband aufgezeichnet werden.

Damit alles seine rechtliche Ordnung hat, findet man gleich am Eingang Handzettel vor, die auf die „Abhöraktion“ aufmerksam machen. Die von der Decke herabhängenden Mini-Mikrophone gehören zu einer künstlerischen Arbeit der Düsseldorferin Anja Wiese. Die hat insgesamt 14 alte Tonbandgeräte installiert. Von einer 96 Meter langen Bandschleife, die nacheinander durch all diese Apparate läuft, erklingen durch den Raum wandernde Säge-Geräusche. Und damit wären wir beim Thema der Herner Schau: Vier Künstler befassen sich. auf sehr unterschiedliche Weise, mit dem Natur- und Werkstoff Holz.

Während Anja Wiese nur akustisch die Säge ansetzt und die Kommentare der Besucher aufzeichnet (anschließend wird verfremdet bzw. gelöscht) und somit vielleicht auch Kritik an ihrer Arbeit vom Band zu hören bekommt, hat sich Minka Hauschild dem Holz ungleich direkter genähert. Angeregt von Reisen nach Tibet und Indien, wo sie überall Gebetstücher sah, begab sie sich mit Stoffbahnen in den Wald und holte sich Abdrucke von Baumrinden. Als sie dort auf die Leiter kletterte, die Buchen (am besten geeignete Baumsorte) von oben bis unten umwickelte und den Stoff mit einer Mixtur aus Kleister und Erdpigmenten bestrich, hat so mancher Spaziergänger sich verwundert die Augen gerieben.

Wenn der Baum sich direkt äußert

Doch Minka Hauschild hatte natürlich die forstamtliche Genehmigung in der Tasche. Und sie hatte jede Menge Assoziationen: In den Baumrinden, so die Künstlerin, stecken die Spuren von Generationen, in Form von Verletzungen bis hin zur berüchtigten Herzchenritzung. Via Abdruck im Tuch könne sich der Baum sozusagen ganz direkt äußern, es spreche die Natur selbst, ja es sei fast wie eine „Weihegabe“ des Baums. Die Tuchbahnen, die nun in Herne hängen, wirken wunderbar leicht und licht. Man muß gar nichts Esoterisches oder Naturmagisches hinzudenken, um Gefallen daran zu finden.

Einen wiederum anderen Zugang zum Thema fand der Holländer Geurt van Dijk, mit 53 Jahren rund zwei Jahrzehnte älter als die drei anderen Teilnehmer. Er lebt mitten im Grünen, betätigt sich eifrig als Sammler von Holzabfällen und Reisig. Daraus baut er große, nahezu naturbelassene „Nester“, „Kathedralen“ oder menschenähnliche Wesen. Zwei rissige Figuren aus Eichenholz, Mann und Frau, stehen wie zufällige Findlinge da. Beim Mann reckt sich, just in der Körpermitte, ein Zweig empor. Auch das ist Natur…

Weitaus mehr handwerkliche Bearbeitung läßt Markus Mußinghoff dem Holz angedeihen. Er fertigt raumgreifende Gebilde aus Brettern und Bohlen. Hier hat sich Technik des natürlichen Materials bemächtigt, um mit großer Geste Zeichen zu setzen.

„Unter Holz“. Flottmann-Hallen, Herne. Bis 13. März. Di.So 14-20 Uhr. Katalog 20 DM.

image_pdfPDFimage_printDrucken

Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das, z. B. Zeitschriften, diverse Blogs und andere Online-Auftritte. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
Dieser Beitrag wurde unter Kunst abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.