Tagesarchive: 11. Februar 1994

Nur Sprache war ihre Heimat – Vor 125 Jahren wurde die Dichterin Else Lasker-Schüler in Elberfeld geboren

Von Bernd Berke

Die Dichterin Else Lasker-Schüler. heute vor 125 Jahren im späteren Wuppertaler Ortsteil Elberfeld geboren, gehört zu den großen Gestalten in der neueren deutschen Literatur. Sie schuf sich Heimat in der Sprache. Im Leben fand sie keine dauerhafte Bleibe.

Sie war eine leidenschaftliche Namens-Geberin. Ihren zweiten Ehemann Georg Lewin (vorher führte sie eine unglückliche Ehe mit dem Arzt Berthold Lasker) versah sie mit dem Künstlerpseudonym Herwarth Walden. Das behielt er bei, als er die berühmte Expressionisten-Zeitschrift „Der Sturm“ herausgab. Auch dieser Titel stammte von ihr. Ihren späteren Schwarm, den Lyriker Gottfried Benn, nannte sie in glühenden Gedichten „Giselher, den Tiger“ oder den Barbaren, sich selbst „Prinz von Theben“. Und so fort.

Wirkliche Heimat hatte sie nur in den Worten. Ansonsten blieb die Tochter aus einem wohlhabenden jüdischen Elternhaus, das fest im Rheinisch-Westfälischen verwurzelt war, unbehaust. Sie hatte nach ihren beiden Ehen nie wieder eine feste eigene Wohnung, darbte zeitweise in einem Berliner Kellerloch. Manche halten das für Bohème, doch es war Elend. In dem Gedicht „Frühling“ schrieb sie bittersüß: „Den Fluch, der mich durchs Leben trieb, / Begann ich, da er bei mir blieb, / Wie einen treuen Freund zu lieben…“

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