Tagesarchive: 3. November 2006

Die Weisheit passt in wenige Worte – Hattingen als Zentrum für Aphorismen: Autorentreffen und neues Archiv

Von Bernd Berke

Hattingen. Kleine Kunstform, großer Aha-Effekt. Auf solche Wirkungen zielen Aphorismen ab. Im Idealfalle sind es geistreich zugespitzte Weisheiten in wenigen geschliffenen Worten. Irgendwie passend, dass eine kleinere Stadt sich anschickt, zum Zentrum der knappen Sinnsprüche zu werden: Hattingen hat’s mit Kürze und Würze.

Schon zum zweiten Mal (nach 2004) treffen sich jetzt deutschsprachige Aphoristiker in der Ruhrstadt. Zudem wird heute im Hattinger Stadtmuseum ein Aphorismen-Archiv eröffnet. Es soll mit der Zeit wachsen. Kulturamtsleiter Dr. Jürgen Wilbert (61), selbst Aphorismen-Schmied aus Passion, darf als Ideengeber gelten. Zündfunke war eine Eingebung des Schriftstellers Elias Canetti: „Die großen Aphoristiker lesen sich so, als ob sie einander gut gekannt hätten.“ Wilbert folgerte: Ihre gegenwärtigen Nachfahren sollten einander tatsächlich kennen lernen – und zwar in Hattingen.

Randfiguren des Buchmarktes

Im Literaturbetrieb tun sich Aphoristiker schwer. Viele publizieren auf eigene Kosten, denn die Verlage setzen in erster Linie auf Romane. Jürgen Wilbert meint allerdings: „Von Romanen bleibt doch oft nur eine Wendung im Gedächtnis.“ Geniale Prosa kann damit zwar nicht gemeint sein. Doch mancher dickleibige Band schnurrt im Resultat vielleicht wirklich auf ein paar Kernsätze zusammen. So gesehen gäbe es keinen Grund, als Aphoristiker in Sack und Asche zu gehen.

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