Tagesarchive: 8. November 2007

„Siehst du, jetzt fangen wir an! – Wie Romane beginnen

Vor zwei Tagen haben die Stiftung Lesen und die Initiative Deutsche Sprache den angeblich schönsten deutschsprachigen Prosa-Anfangssatz gekürt. Es war Günter Grass‘ lapidarer Einstieg in den „Butt“: „Ilsebill salzte nach.“ Nun denn.

Der Autor dieser Zeilen ist vor fast einem Jahr aufs selbe Thema gekommen, der folgende Artikel stand zu Silvester 2006 in der „Westfälischen Rundschau“, für Westropolis ist er jetzt rundum neu – gleichsam „remastered“. Und vielleicht taugt er auch zum nächsten Jahreswechsel, der ja nicht mehr allzu weit entfernt liegt:

Ein altes Jahr verrinnt, ein neues fängt an. Mit welchen Haltungen man wortwörtlich etwas Neues (und vielleicht Großes) beginnen kann, das lässt sich vielleicht bei den Schriftstellern ablesen. Wie haben sie ihre Romane eingeleitet? Wie lauten die ersten Sätze, die ja oft die schwierigsten sind?

„Es war ein launischer Frühling“

Nun, viele Autoren beginnen schlicht mit einer Naturbeobachtung oder einem Landschaftsbild. Oft schildern sie das Wetter: „Es war ein launischer Frühling“ (Virginia Woolf, „Die Jahre“). „Es war ein klarer, kalter Tag im April“ (George Orwell, „1984“). „Da eine Hitze von dreiunddreißig Grad herrschte…“ (Gustave Flaubert, „Bouvard und Pécuchet“). Oder, fast wissenschaftlich genau: „Über dem Atlantik befand sich ein barometrisches Minimum; es wanderte ostwärts…“ (Robert Musil, „Der Mann ohne Eigenschaften“).

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