Tagesarchive: 2. Januar 2012

Die Angst des Kindes auf dem Schulhof

Mit „Das Haus“ setzt Andreas Maier seinen hessischen Familienzyklus fort, den er mit „Das Zimmer“ begonnen hat. Dort hatten sich biographische Erkundungen über einen geistig beschränkten Onkel zur besonderen Heimatkunde geweitet. Diesmal wird die Sonde zunächst in die allerersten Räume der eigenen Kindheit geführt.

Schon wie das Licht zwischen den Etagen des elterlichen Hauses fließt, zählt zu den wesentlichen, elementaren Einflüssen aus dieser persönlichen Frühzeit, die allem Selbst-Bewusstsein vorausgeht. Naturnahe Rhythmen von Parks und Gewässern oder auch die Beschaffenheit der Luft wirken sich gleichfalls tiefgreifend aus: „…und ich atme es, und es ändert meinen Atem und ändert mich, ohne daß ich es merke, denn alles geschieht noch unbewußt.“

Man fragt sich, wie einer auf solch unvordenkliche Erfahrungen zurückgreifen und sie in stupende Nahansichten verwandeln kann. Und man fragt sich, inwiefern hier überhaupt noch zwischen Autor, Ich-Erzähler und Figuration, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden ist. Schluss mit derlei Spitzfindigkeiten. Über allem wölben sich die Setzungen der Sprache. Und die erfasst hier Gefühle an der Grenze des Sagbaren, weit über das Familienübliche hinaus. Zitat: „Auch bei uns wurden immer nur die Geschichten erzählt, die man guten Gewissens erzählen kann, wie in jeder Familie.“

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