Tagesarchive: 20. Juni 2014

Festspiel-Passagen II: Händels „Giove in Argo“ in Bad Lauchstädt mit Sinn fürs Komische

Jupiter, das wissen wir aus der antiken Mythologie und von Jacques Offenbach, war nicht zimperlich, wenn es um seine Amouren ging: Europa näherte er sich als Stier, Leda als Schwan, Danae als Goldregen und, naja, Eurydike sogar als dicke goldene Fliege. Zu Georg Friedrich Händels Zeiten waren die erotischen Histörchen um den Göttervater noch wohlbekannt, und so konnten sich die Besucher seiner Oper „Giove in Argo“ schon denken, was Jupiter im Nordosten der Peloponnes zu suchen hatte …

2014 herrscht in Griechenland allerdings Depression, und so verlegt Kay Link in seiner Inszenierung von „Giove in Argo“ für die Händel-Festspiele Halle die göttlichen Eskapaden in einen verödeten Flughafen. Im angegammelten Ambiente des Terminals, das Olga von Wahl auf die Bühne des historischen Goethe-Theaters in Bad Lauchstädt gebaut hat, treffen sich die an den Abfertigungsschaltern des Schicksals Gestrandeten: Iside, Tochter eines ermordeten Königs und dürstend nach Rache. Osiris, ägyptischer König, ihr Verlobter, getarnt als biederer Tourist Erasto. Calisto, Tochter eines Mörders und Tyrannen, ein blondes Girl aus einem teuren College. Und Licaone, der den König von Argos ermordet und damit alle Unbill entfesselt hat, ebenfalls auf der Flucht: mit silbernem Geldkoffer durch den Zuschauerraum und über die Bühne. Die Flüge sind alle gecancelt: Aus dem Terminal entkommt die nächsten drei Akte keiner.

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„Pommes“ in Oberhausen – die Spaß-Alternative zur Fußball-WM

„Pommes – das fünfte Element?“ Für den gemeinen Ruhrpott-Ureinwohner ganz sicher. Und so müsste doch auch die olle, fettige Pommesbude, die der schwule Herr Humboldt von seinem Onkel geerbt hat, ganz leicht wieder eine Goldgrube werden können? Gerade, weil sie mitten in Oberhausen steht.

Hätte ja noch schlimmer kommen können. Die Bude hätte schließlich auch in Bottrop sein können oder – Gott bewahre – in Düsseldorf. Schlimm genug, dass einer aus der alten Clique abtrünnig geworden ist und als Makler in der Landeshauptstadt den großen Macker gibt.

"Pommes"-Ensemble mit Constanze Jung und (hinten von links) Hans Peter Lengkeit, Hajo Sommers, Kai Magnus Sting, Nito Torres. (Foto: Axel Scherer)

„Pommes“-Ensemble mit Constanze Jung und (hinten von links) Hans Peter Lengkeit, Hajo Sommers, Kai Magnus Sting, Nito Torres. (Foto: Axel Scherer)

„Inne Bude, am Fenster, bei die Rauchers“ – da haben sie sich früher immer getroffen, die vier Freunde. Nach langen Jahren stehen sie dort mal wieder beisammen, jeder auf seine Weise ratlos, wie es weitergehen soll. Mit der Stadt, mit der Pommesbude, mit ihnen selbst. Der aufschneiderisch makelnde Uwe mit seinem Smartphone; Martin, der traurige Trainer eines noch traurigeren Fußballvereins; Humboldt, der unerschütterlich optimistische Erbe der Pommesbude und ihr Chronist Malte, federschwingend beim örtlichen Lokalblättchen.

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