Tagesarchive: 30. Dezember 2015

Philosoph des Metal: Zum Tod von Lemmy Kilmister

Als ich Lemmy Kilmister und Motörhead zum ersten Mal hörte, klapperte es in meiner eustachischen Röhre noch tagelang und ich rätselte, ob es am Nachbeben des Steigbügels lag oder schlicht der damals noch unter Ohrklingeln bekannte Tinnitus war. Lemmys Vorbild Paul McCartney war eindeutig melodiöser, fand ich, neigte nicht zu hastiger Wiederholung des Hörgenusses – oder war’s eigentlich eher chinesische Geräuschfolter?

Lemmy Kilmister 2006 (Foto: Wikipedia/Alejandro Páez = Molcatron on Flickr)

Lemmy Kilmister 2006 (Foto: Wikipedia/Alejandro Páez = Molcatron on Flickr) – Link zur Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/)

Dann hatte ich jahrzehntelang Motörhead und ihren von Fibromen gezierten Bassisten und Frontman vergessen. Ich wusste zwar von beider Existenz, aber verweigerte ihnen meine Wahrnehmung. Bis ich ein Interview mit Ian Frazer Kilmister, dem Sohn eines Feldkaplans der Royal Air Force und einer Bibliothekarin auf Stoke-on-Trent in Staffordshire sah.

Seit ich hörte, wie der Mann dachte, was ihn bewegte, wie er zu seinen beiden Söhnen stand (mit Paul hatte er die engste Beziehung, trat sogar mal gemeinsam mit Motörhead auf), war der hinfällig wirkende Mann, dessen Gesichtslandschaft der üppige Konsum von Zigaretten und Drugs vielgestaltiger Art anzusehen war, war er für mich der Philosoph des Metal.

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