Tagesarchive: 3. Dezember 2015

Wirren nach dem Wirbelsturm – Richard Ford lässt seinen Frank Bascombe wieder aufleben

Herbst 2012. Wirbelsturm Sandy zieht über die Ostküste der USA und hinterlässt eine Schneise der Zerstörung. Vor allem im sonst so idyllischen New Jersey werden schicke Sommerhäuser und teure Prachtvillen von den Naturgewalten hinweg gefegt und ganze Kleinstädte unbewohnbar. Doch ausgerechnet Frank Bascombe, der in seinem ereignisreichen Leben nicht gerade vom großen Glück verwöhnt wurde und sich als Schriftsteller, Sportreporter und Immobilienmakler mehr schlecht als recht durch gewurstelt hat, bleibt diesmal verschont.

Rechtzeitig, auf dem Höhepunkt der Immobilienblase und kurz bevor das ganze marode Bankensystem kollabierte, hat Frank für gutes Geld seine Strandvilla im (fiktiven) Örtchen Sea-Clift verkauft und sich ein anderes Haus gekauft, im Hinterland und weit genug von der Küste entfernt, um jetzt mit der ihm eigenen Mischung aus larmoyanter Melancholie und zynischem Nihilismus auf ein Amerika zu blicken, hinter dessen kaputter Fassade tiefe Verunsicherung lauert, aber auch trotziger, einfach nicht tot zu kriegender Pioniergeist haust.

Ford_24923_MR.indd

Welcome Back, Frank! Eigentlich wollte der US-amerikanische Autor Richard Ford seinen literarischen Lieblingshelden („Der Sportreporter“, „Unabhängigkeitstag“, „Die Lage des Landes“) ja in den Ruhestand schicken. Doch nach den vom Wirbelsturm Sandy angerichteten Verwüstungen konnte Ford nicht anders und musste den mittlerweile 68-jährigen Chronisten des modernen Amerika über die materiellen und emotionalen Schlachtfelder des Zeitgeistes schicken.

Veröffentlicht unter Literatur | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar