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Es glitzert das Meer, es funkelt die Seele

Bereits das Baudelaire-Motto, das Eduard von Keyserling (1855-1918) seinem Roman „Wellen“ vorangestellt hat, lässt keinen Zweifel: Das Meer und die Menschenseele, so heißt es da sinngemäß, sind so tief, dass sie ihre Geheimnisse letztlich niemals preisgeben.

Immer wieder spiegeln sich in diesem Roman seelische Regungen in den wechselhaften Erscheinungen des Meeres. Sozusagen jede Farbstufe und jeder neue Lichteinfall werden da sprachlich zum Funkeln gebracht – soweit und so genau, wie es irgend geht. Dieses Werk um des Meeres und der Liebe Wellen darf als Zeugnis des literarischen Impressionismus gelten. In etlichen Passagen fühlt man sich an flirrende Gemälde jener Stilrichtung erinnert. Doch es ist beileibe kein unvermischtes Schwelgen. Schon auf Seite 8 heißt es vielsagend: „Das kränkliche Knabengesicht verzog sich, als täte all dieses Licht ihm weh.“ Tatsächlich wächst der Roman vor allem im höchst individuell geschilderten Leiden seiner Figuren weit über Stil-Attitüden hinaus.

Das bloße Gerüst der Geschichte sieht, flüchtig von heute aus betrachtet, zunächst nach Klischee aus. Aber da täuscht man sich gründlich, so nuanciert und fein schattiert wird hier erzählt, durchaus auf den literarischen Höhen etwa eines Theodor Fontane.

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