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Schreckliche Ödnis, rasender Stillstand – Berliner Gropius-Bau zeigt Regina Schmekens Fotografien von Tatorten des NSU

Eine graue Häuserwand, ein verlassener, grob asphaltierter Platz, eine beschmierte Straßenecke, eine Parkbucht an einer Landstraße im Wald. Menschenleere Orte, überall Tristesse, dunkle Wolken, düstere Leere.

Einmal rattert, verschwommen und unscharf, ein Motorroller mit zwei Personen vorbei. Ein anderes Mal hetzt ein Mensch mit Einkaufstüten durch die regennasse Ödnis. Aber ist das, was da so bedrohlich auf dem Boden sich ausbreitet und gefährlich schimmert, nicht eine Blutlache? Nein, es ist eine Regenpfütze.

Unsere Fantasie, unsere Befürchtungen und Erwartungen täuschen uns, sie wollen Dinge sehen, die nicht mehr da sind, von denen nur noch die bösen Erinnerungen unsere Wut und Angst speist: All die Opfer, mit kaltem Hass hingerichtet und von feigen, fürchterlichen Mordhänden hingestreckt, sind längst begraben.

Quälend langes Gerichtsverfahren

Zwei der Täter sind tot, die Mitwisser vor Gericht. Verhandelt wird seit quälend langen Jahren, in denen vieles gesagt und noch mehr verschwiegen wird. Dass wir je die Wahrheit erfahren werden, wie der so genannte „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) organisiert war und warum er jahrelang ungestört mordend durch die Lande marodieren konnte, ist kaum zu hoffen. Dafür sind die Mauer des Schweigens und die beklemmende Stille nach den tödlichen Schüssen einfach zu groß.

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Ai Weiwei und die Kunst des Konflikts

Er hätte in New York bleiben können, frei, unbehelligt. Immerhin lebte der chinesische Künstler und Architekt Ai Weiwei von 1981 bis 1993 seinen amerikanischen Traum. Aber wer kannte ihn schon? Erst als aufrührerischer Heimkehrer entwickelte Ai ein von der westlichen Welt bewundertes Werk voller Zorn und Schönheit. Der Konflikt mit dem kommunistisch-kapitalistisch agierenden Regime inspiriert ihn zu immer wieder neuen Installationen, die er jetzt in einer grandiosen Schau im Berliner Gropius-Bau zeigt: „Evidence“ – Beweis.

Dass er selbst nicht zur Eröffnung kommen durfte, passt Ai Weiwei durchaus ins Konzept. Das Verbot sei, ließ er vorab verlauten, „ein Kunstwerk an sich“ und spiegele die menschliche Verfassung wider.

Der Künstler Ai Weiwei im Jahr 2012. (Foto: © Gao Yuan)

Der Künstler Ai Weiwei im Jahr 2012. (Foto: © Gao Yuan)

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Dennis Hoppers “Lost Album”: Ikonen einer wilden Zeit

Vor gut 40 Jahren hatte Dennis Hopper seine kleinformatigen Fotos direkt an die Wände im Fort Worth Art Center Museum in Texas montiert. Über 400 Schwarz-weiß-Fotos, aufgezogen auf Pappe, ohne Rahmen und Glas: eine unprätentiöse Installation von meist spontanen Schnappschüssen aus dem bewegten Leben eines künstlerischen Multitalents, das – wie kaum ein anderer – für die wilden, von exzessivem Drogenrausch und politischem Umbruch gekennzeichneten Sechziger Jahre steht.

Dennis Hopper: Andy Warhol, Henry Geldzahler, David Hockney, Jeff Goodman, 1963 (© The Dennis Hopper Trust / Courtesy The Dennis Hopper Trust)

Dennis Hopper: Andy Warhol, Henry Geldzahler, David Hockney, Jeff Goodman, 1963 (© The Dennis Hopper Trust / Courtesy The Dennis Hopper Trust)

Nach dem Ende der Ausstellung im Jahr 1970 verschwanden die heute legendären Fotos des als Schauspieler und Regisseur, Maler und Fotograf arbeitenden Künstlers in mehreren Kisten und galten lange Zeit als verschollen. Erst nach dem Tod von Dennis Hopper kamen sie 2010 wieder ans Tageslicht. Die Fotos, die jetzt unter dem Titel “The Lost Album” im Berliner Gropius-Bau gezeigt werden, haben erstmals ihren Weg nach Europa gefunden und sehen ein bisschen mitgenommen aus: Fingerabdrücke und Kratzer, zerfaserte Ecken und kleine Dellen. Einen besonderen Kunstanspruch, so die klare Botschaft, wollte Hopper mit seinen Fotos offiziell nie erheben.

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