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Yasmina Reza, Piccoli, Binoche, Ute Lemper – Frankreich ist Thema der Ruhrfestspiele

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Michel Piccoli, Jane Birkin und Hervé Pierre (von links) tragen Texte von Serge Gainsbourg vor. (Foto: Ruhrfestspiele/Gilles Vidal)

In diesem Jahr soll es unser westlicher Nachbar sein. „Tête-à-tête – ein dramatisches Rendezvous mit Frankreich“ ist das Programm der Ruhrfestspiele 2015 überschrieben, und natürlich erfolgte die thematische Schwerpunktlegung lange, bevor das Land (und seine Kultur) es zu trauriger Aktualität brachten.

Fast wundert man sich, daß Festival-Chef Frank Hoffmann Frankreichs Kultur erst jetzt so entschlossen ins Rampenlicht des Recklinghäuser Festspielhauses rückt, ist er doch als Luxemburger – mit ganz leichter Andeutung eines französischen Akzents, ähnlich seinem Landsmann Jean-Claude Juncker – der französischen (Bühnen-)Kultur schon traditionell recht nahe.

Nein, man muß man nicht befürchten, daß nun ein Gründeln nach französischer Seele oder Ähnlichem einsetzte, wie überhaupt das in dieser unbedingten Art Grundsätzliche eher wohl eine Spezialität von Frankreichs östlichem Nachbarn, vulgo: uns ist.

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Versteckte Sünden quälen doppelt – Michael Hanekes Psychothriller „Caché“ mit Juliette Binoche und Daniel Auteuil

Von Bernd Berke

Georges und Anne Laurent haben es offenbar geschafft. Er moderiert einen Literatur-Talk im Fernsehen, sie arbeitet im angesehenen Buchverlag. Gebildete Leute also. Noch klüger aber wäre es wohl, sich in solch gut gepolsterter Bildungsbürgerlichkeit nicht ein für allemal sicher zu fühlen.

In Michael Hanekes Thriller „Caché“ (etwa: versteckt, verborgen) wird dieses Pariser Ehepaar gründlich irritiert. Anonymer Psycho-Terror aus heiterem Himmel: Nach und nach treffen etliche Video-Kassetten bei den Laurents ein; stets gehüllt in Blätter mit kindlichen Zeichnungen, auf denen Blut fließt.

Die Videos nähren Ängste: Irgend jemand weiß offenbar bestens Bescheid übers Leben der beiden mit ihrem halbwüchsigen Sohn. Sie scheinen rundum überwacht zu werden, wie von einem „Auge Gottes“. Sogar Georges‘ Kindheit scheint das „Phantom“ ausspioniert zu haben.

Folgt eine Erpressung? Nichts da! Die Bedrohung bleibt diffus. Immer nur weitere Kassetten – bis sich eine Spur ergibt. Anhand einer gefilmten Autofahrt lässt sich eine Adresse bestimmen: draußen vor Paris, im unwirtlichen Banlieue-Gürtel, wo ärmere Menschen wohnen. Klar, dass man hier nun die französischen Herbst-Unruhen von 2005 mitdenkt.

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Ganz nah an den Wurzeln der Gewalt – Michael Hanekes phänomenaler Film „Code: Unbekannt“

Von Bernd Berke

Anne bügelt ihre Wäsche und sieht dabei fern. Die Kamera erfasst sie die ganze Zeit über frontal, wir sehen jede ihrer Regungen. In der Nachbarwohnung beginnt ein Kind zu wimmern. Die junge Frau stellt das TV-Gerät aus, hält inne und horcht. Ein Fall von Misshandlung nebenan?

Ihre Empfindungen schwanken. Doch nach ein paar Minuten wendet sie sich langsam wieder ihrem vorherigen Tun zu. Nun aber wirkt die vordem alltägliche Handlung nachhaltig verätzt. Später werden wir erfahren, dass die Nachbarstochter tot ist.

Regisseur Michael Haneke ist ein gnadenlos genauer Beobachter. Durchweg konfrontiert er uns in seinem phänomenalen Werk „Code: Unbekannt“ mit Episoden, in denen Gewalt gestaltlos droht oder sich entlädt. Die Figuren könnten wegsehen oder eingreifen. Ein wahrhaft dringliches Themenfeld.

Zwischen Ratlosigkeit und Zorn

Die prägnanten Sequenzen enden abrupt, mit scharfen Rissen und Sekunden der Dunkelheit, in denen Ratlosigkeit und Zorn nisten. Die Suchbewegung des Films richtet sich auf jenen „Code“, das System von Steuerzeichen, das hinter all diesen Vorfällen stehen könnte. Oder gibt es keine Regeln?

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Psychologisches Tieftauchen – André Téchinés Film „Alice & Martin“

Von Bernd Berke

Martin giert nach Gewalten, die viel größer sind als er selbst und die ihn möglichst verschlingen sollen. Als Kind haßt er seinen Vater so sehr, daß er in eine Fieberkrankheit flüchten will. Also zieht er den Pyjama aus, reißt das Fenster auf und stellt sich bibbernd vors eisige Schneegestöber. Später wird er sich ebenso todesverachtend in die tosenden Fluten des Meeres stürzen. Ein Masochist? Ein Verrückter?

Der seltsame Held in Andre Téchinés Film „Alice & Martin“ glaubt, er habe schwere Schuld auf sich geladen. Beim Handgemenge mit dem Vater ist jener tödlich gestürzt. Hals über Kopf rennt der nun 20jährige Martin davon. Er irrt mit gehetztem Blick durch Feld und Flur.

Unterwegs geht’s rustikal zu: Martin schläft frierend im Freien und zieht vor lauter Hunger den Hühnern im Stall die Eier unterm Gefieder weg, um sie sofort roh auszuschlürfen. Überleben ist erst mal alles.

Zeitsprung: Inzwischen polizeilich vom Mordverdacht entlastet, zieht Martin nach Paris, wo sein schwuler Halbbruder lebt. In dessen ärmlicher Behausung begegnet Martin der schönen Alice, einer Violinîstin (Juliette Binoche). Wird jetzt alles gut?

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