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Ratzingers Heimaturlaub blieb frei von Demut

„Der Papst mag uns“ titelt die „Welt“ nachgerade erleichtert frohlockend. Schön, dass er „uns“ mag, aber wer fragt denn, ob wir alle ihn mögen. Das allein aber ist nicht das wirklich Verwirrende am Besuch des eigentlich hauptberuflichen Brückenbauers, sondern es sind „unsere“ Reaktionen auf ihn, die so ungeheuer befremdlich wirken.

Da war zunächst eine aufregende und schwer nachvollziehbare öffentliche Debatte darüber, ob denn dieser achte und bislang dienstälteste deutsche Papst im deutschen Parlament parlieren dürfe. Da es ausdrücklich erlaubt ist, dass ein jeder, eine jede Abgeordnete einer jeden Partei das dümmste Zeug zu reden, warum bitte sehr nicht auch der deutsche Oberhirte? Da bereits nachweislich nichtdeutsche Staatslenker mit nachträglich als kriminell betrachteter Energie im deutschen Parlament parlieren durften, warum denn nicht ein deutscher Papst?

Danach spekulierten Kirchenlenker, Parteienlenker, Philosophen und allerlei denkende Köpfe darüber, was wohl Wegweisendes Ratzinger (in Sachen Ökumene, Zölibat, Priester-Geschlecht, Haltung seiner einzig wahren Kirche zu vielerlei Fragen der Gesellschaft) während des Heimatbesuches von sich geben werde. So viel, wie da an vorauseilender Exegese in noch nicht gehaltene Reden und noch nicht gepredigte Predigen hinein gedeutet wurde, so wenig kam bei alsdann gehaltenen Reden und gepredigten Predigten heraus. Der Brückenbauer redete so, wie man auch als Politiker geredet hätte, vielsagend, nichtssagend, deutungsreich.

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