Ratzingers Heimaturlaub blieb frei von Demut

„Der Papst mag uns“ titelt die „Welt“ nachgerade erleichtert frohlockend. Schön, dass er „uns“ mag, aber wer fragt denn, ob wir alle ihn mögen. Das allein aber ist nicht das wirklich Verwirrende am Besuch des eigentlich hauptberuflichen Brückenbauers, sondern es sind „unsere“ Reaktionen auf ihn, die so ungeheuer befremdlich wirken.

Da war zunächst eine aufregende und schwer nachvollziehbare öffentliche Debatte darüber, ob denn dieser achte und bislang dienstälteste deutsche Papst im deutschen Parlament parlieren dürfe. Da es ausdrücklich erlaubt ist, dass ein jeder, eine jede Abgeordnete einer jeden Partei das dümmste Zeug zu reden, warum bitte sehr nicht auch der deutsche Oberhirte? Da bereits nachweislich nichtdeutsche Staatslenker mit nachträglich als kriminell betrachteter Energie im deutschen Parlament parlieren durften, warum denn nicht ein deutscher Papst?

Danach spekulierten Kirchenlenker, Parteienlenker, Philosophen und allerlei denkende Köpfe darüber, was wohl Wegweisendes Ratzinger (in Sachen Ökumene, Zölibat, Priester-Geschlecht, Haltung seiner einzig wahren Kirche zu vielerlei Fragen der Gesellschaft) während des Heimatbesuches von sich geben werde. So viel, wie da an vorauseilender Exegese in noch nicht gehaltene Reden und noch nicht gepredigte Predigen hinein gedeutet wurde, so wenig kam bei alsdann gehaltenen Reden und gepredigten Predigten heraus. Der Brückenbauer redete so, wie man auch als Politiker geredet hätte, vielsagend, nichtssagend, deutungsreich.

Nun, „Bild“ bejubelte seine Zeile von 2005 (“Wir sind Papst”), Springer ließ am Berliner Hochhaus das Magnum-Plakat für seine Magnifizenz hissen und des Verlages „Welt“ jubiliert resümierend, dass dieser Ratzinger „uns mag“.

Ich mag nicht damit beginnen, das alles aufzuzählen, was der Pontifex uns hätte sagen müssen oder sollen, damit ein paar mehr als die rein Gläubigen ihn danach hätten mögen können. Nur eines: so ein dickes „Mir tut das furchtbar leid, und ich werde mein Pontifikat dazu nutzen, dass jeder scharf bestraft wird, der das wieder tut!“ in die Richtung zahlreicher Misshandelter wäre doch ein Anfang gewesen. Ein Anfang, dass der achte deutsche Papst dazu selbst in der Lage ist, was Päpste allzu nachhaltig von ihren Schäfchen erwarten: Demut.

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3 Kommentare zu Ratzingers Heimaturlaub blieb frei von Demut

  1. Michaela sagt:

    D’accord. Wenn Ratzinger auf Deutschland-Tournee ist, ist er dies in seiner Funktion als Papst. Als solcher sieht er sich als Nachfolger Petri und Stellvertreter Jesu auf Erden – allein Letzteres doch schon eine ziemliche Anmaßung! Was ist daran demütig? Kann es sein? Laut Protokoll muss man ihn – und ich gehe davon aus, dass er das ganz richtig findet – mit “Eure Heiligkeit” oder “Heiliger Vater” anreden. Heilig? Die nächste Anmaßung! Und genauso richtig findet er auch das Dogma seiner Unfehlbarkeit (in kirchlichen Belangen, aber immerhin). Die nächste. Der Papst und Demut schließen also einander aus.

    Wenn er aber dann mal die Tiara ablegt – wer weiß?

  2. Rudi Bernhardt sagt:

    Hi Michaela, Du gehst da richtig, ich kann von einem Papst, so er sich denn auf diese Funktion reduziert, keinerlei Demut erwarten, die würde er bei mir erwarten, aber bei einem menschlichen Wesen, und nach wie vor halte ich den Ratzinger für ein solches, darf ich Demut erhoffen. Sollte er – was ich vermute – die menschliche Anmutung bis zu seinem unweigerlichen Dahinscheiden abgelegt haben und sich allzu gottnah fühlen, wird er Demut allenfalls noch vor dem höheren Wesen zeigen. Ob das aber ein Gott gefälliges Verhalten ist, so der denn so ist, wie sein Wesen beschrieben steht, bezweifele ich. Schönen Tag Dir.

  3. Michaela sagt:

    Kann man von einem Papst wirklich Demut erwarten?

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