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Von Unna aus ein wenig die Welt verändern – Nachruf auf den vielseitigen Theatermann Peter Möbius

Peter Möbius (1941-2020). (Foto: Thomas Kersten)

Gastautor Horst Delkus mit einem Nachruf auf den Theatermann, Autor und Grafiker Peter Möbius, den älteren Bruder des legendären Rocksängers Rio Reiser („Ton Steine Scherben“). Peter Möbius hat vor allem in Unna und Dortmund gewirkt.

Ist das nicht der Bruder vom Rio? Ja, er war es. Rios großer Bruder, der mich da vor rund neun Jahren in meinem Büro bei der Wirtschaftsförderung des Kreises Unna aufsuchte. Die Kollegin outete sich als große Verehrerin von Rio Reiser: Das ist mein Lieblingsmusiker. Peter hat es gefreut.  War doch eine solche klammheimliche Liebe von notwendigerweise kapitalfreundlicher Wirtschaftsförderung zu dem exorbitant kapitalkritischen Möbius-Bruder eine ausgesprochen ungewöhnliche.

Was es mit „Hermann von Unna“ auf sich hat

Peter holte damals irgendwelche Unterlagen ab. Es ging um „Hermann von Unna, eine Geschichte aus der Zeit der Vehmgerichte“. Erzählt von Benedicte Naubert, die diesen Roman 1788 (!) veröffentlichte. Die Handlung ist simpel, aber der Roman förderte Unnas guten Ruf Anfang des 19. Jahrhundert in ganz Deutschland: Das Städtchen Unna hat ein wichtiges Salzwerk Königsborn; berühmter  aber ist es durch den viel gelesenen Vehmgerichts-Roman: Hermann von Unna!, schrieb 1834 ein gewisser Carl Julius Weber in seinen „Brief(n) eines in Deutschland reisenden Deutschen“.

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Rio Reiser wäre jetzt 65 – er fehlt mehr denn je

Screenshot aus: https://www.youtube.com/watch?v=_UlTvJ2POXM

Screenshot aus: https://www.youtube.com/watch?v=_UlTvJ2POXM

Zum Platz der Kulturen hinter der Backsteinfassade des Kulturzentrums Lindenbrauerei in Unna führt ein Weg. Er heißt “Rio Reiser-Weg”, benannt nach dem legendären Frontmann der ebenso legendären Gruppe “Ton, Steine, Scherben”.

Rio Reiser wäre heute 65 Jahre alt geworden. Und ich fragte mich gerade, ob er im Rentenalter schweigsamer geblieben wäre und den Versuch unterlassen hätte, der fortschreitend wirrer werdende Welt auf seine Art den Zerrspiegel vorzuhalten. Ich denke nein.

Rio Reiser, der am 20. August 1996 mit nur 46 Jahren starb, hieß bürgerlich Ralph Möbius. Er hatte einen Bruder mit Namen Gert und einen, der heißt Peter Möbius und blieb einst durch das Langzeitengagement des “Hoffmanns Comic Teater” in Unna hängen. Damals, in den 1980er Jahren, trieb es auch Rio Reiser dorthin, und er machte Musiken für wegweisende Projekte am Hellweg. Noch heute gibt es dort viele, die dem Musiker und Protagonisten linker Bewegungen Deutschlands liebend-kritisch verbunden blieben.

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Bands, die von den „Scherben“ erben – sehenswerter Kinofilm „Der Traum ist aus“

Von Bernd Berke

Sie waren hart, sie waren politisch plakativ – und ihr Sänger Rio Reiser hatte wohl mehr Charisma als zwei Grönemeyers oder zwanzig Petrys: „Ton Steine Scherben“ war seit den späten 60ern eine der besten deutschen Rock-Bands. Viele haben sie mit den Rolling Stones verglichen.

Thomas Schuchs Kinofilm „Der Traum ist aus“ verfolgt in etlichen Konzertmitschnitten und Gesprächen jene Traditionslinie, die von den „Scherben“ ausgeht und sich bis heute fruchtbar verzweigt. Freilich sind auch zeitbedingte Brüche nicht zu übersehen. Heute brüllt keiner mehr mit dem Furor des (1996 gestorbenen) Rio Reiser heftige Hass-Zeilen wie „Macht kaputt, was euch kaputt macht“. Es waren damals authentische Texte, doch Ehrlichkeit klingt heute anders.

Einige der stärksten deutschen Gruppen beziehen sich jetzt mehr oder weniger deutlich aufs Vorbild. Teilweise gibt es direkte personelle Verbindungen; andere hörten mit flatternden Ohren und pochendem Puls den Power-Sound der Rebellion, den sie nicht mehr vergessen haben. Nachdenkliche „Erben der Scherben“ (Untertitel des Films) kommen hier zu Wort: Leute von „Element of Crime“, „Die Sterne“, „Tocotronic“, „Britta“, „Dritte Wahl“, „Neues Glas“ usw.

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