Meilensteine der Popmusik (13): U 2

In den felsigen Wüsten Kaliforniens, wo sonst keine andere Pflanze überlebt, dort wächst ein Riesen-Kaktus: die Joshua Palmlilie, eine Agavenart. Wie ein großer, einsamer Stachelbaum war die irische Rockgruppe U 2 ein gewichtiger Teil der 80er Rock-Szene. Schon damals so etwas wie ein Dino: geradlinig, verlässlich, glaubwürdig – das schätzten Fans, die von immer neuen, wechselnden Trends nichts hören wollten.

Kopf, Vordenker und Prediger der U2-Gemeinde war und ist Paul Hewson, den alle nur Bono nennen. Zitat: „Ich erinnere mich an eine Sendung von BBC ‚Top fo the Pops‘, in der eine Band namens ‚Middle Of The Road‘ auftrat und den Song ‚Chirpy, chirpy, cheep, cheep‘ sang. Ich war etwa elf Jahre alt und dachte ‚Wow!‘- das ist nun wirklich Pop. Man singt einfach sowas und wird auch noch dafür bezahlt.“

In diesem speziellen Fall half sogar die Schule weiter. Mit ein paar Schulfreunden durfte man das Geschichtszimmer für Bandproben benutzen. Die Jungs spielten alles, was ihnen zu Ohren kam, von Rolling Stones bis Bay City Rollers. Die erste Gage kam, als sie mit ihrer wilden Popmixtur in Pubs und Clubs rund um Dublin auftraten. Bono half zudem tagsüber bei einer Tankstelle aus. „Wenn es U 2 nicht gegeben hätte, wäre ich schlicht und einfach arbeitslos. Ich habe nichts anderes gelernt als Musik“. Also musste die Karriere endlich mal in Schwung kommen.

Bei einem Talent-Wettbewerb im Frühjahr 1978 gewannen sie 500 britische Pfund und einen Vorspieltermin bei einer kleinen Plattenfirma. Ihre erste Platte wurde auf Anhieb Spitzenreiter in Irland – aber: sie war auch nur dort erhältlich. Eine größere Plattenfirma wurde auf sie aufmerksam und schleppte sie nach Großbritannien. U 2 wurde ganz langsam zur Kultband. Das sprach sich europaweit herum, der Ruf ging bis nach Amerika. Der große Bruce Springsteen stornierte extra einen Rückflug, um U 2 live in London zu sehen. Das war 1981 und die Irland-Rocker sollten noch einige prominente Fans dazugewinnen, von Muhammed Ali bis zum südafrikanischen Bischof Desmond Tutu.

Mitte 1987 waren U 2 auf dem absoluten Höhepunkt ihrer Laufbahn angelangt. Das lang erwartete neue Album THE JOSHUA TREE wurde weltweit die Rock-LP des Jahres. Monatelang hatten sich Bono, der Gitarrist David Evans (genannt The Edge), Adam Clayton und Larry Mullen in ihre „Burg“ zurückgezogen. So nannten sie das „Windmill Lane Studio“ in Dublin. Hier entstanden mit ihren Lieblings-Produzenten Brian Eno und Daniel Lanois Superhits wie „With or without you“, „I still haven’t found what l’m looking for“ oder auch „Where the streets have no name“, ein Song über Bonos Afrika-Eindrücke. Ihr 6. Album hatten sie Greg Carroll gewidmet. Ihr ehemaliger Chef-Roadie war ein Jahr zuvor – gerade 26 Jahre alt – bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen.

U2 und alles drum herum war eine einzige Familie, ohne große Skandale oder Streitigkeiten. So drehte man auch nach einigen Millionen Plattenverkäufen und nach der Verleihung des Grammy für die beste LP des Jahres nicht durch. Man blieb brav zusammen und fing nach dem Riesenerfolg von „Joshua Tree“ sogar mit neuen Experimenten an. Die brachten ähnliche Erfolge bis weit in die Neuzeit, aber vor allem Befriedigung für Bono, den prominenten Weltenbürger: „Ich bin gefesselt von Grenzen, nationalen Grenzen, physikalischen Grenzen, spirituellen Grenzen. Von all´ diesen Dingen findet man Beispiele in den Songs von U 2.“

U 2 on Dailymotion

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Die bisherigen „Meilensteine“:

Peter Gabriel (1), Creedence Clearwater Revival (2), Elton John (3), The Mamas and the Papas (4), Jim Croce (5), Foreigner (6), Santana (7), Dire Straits (8), Rod Stewart (9), Pink Floyd (10), Earth, Wind & Fire (11), Joe Cocker (12)

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2 Kommentare zu Meilensteine der Popmusik (13): U 2

  1. Bernd sagt:

    Sehr interessant und informativ!

  2. Rudi Bernhardt sagt:

    Ich liebe diese Serie, kommt immer wieder Neues hoch, wenn ich von diesen Alten lese, dank Dir Klaus.

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