„Heartbreakers“ – die Aufbruchstimmung der frühen Beat-Jahre

Von Bernd Berke

Im Westen. 1966. Beim Stones-Konzert sind „die Brocken geflogen“. Eine Gruppe von Jugendlichen landet auf der Polizeiwache. Ein Beamter wagt es, Stones-Boß Mick Jagger zu beleidigen: „Warum wackelt dieser ,Mick Jäger‘ immer so mit dem Arsch? Hat der Hämorrhoiden oder ist der schwul?“ Das stößt den Jugendlichen übler auf als alle sonstigen Repressalien. Im Nu gleicht die Wache einem Tollhaus.

Die ersten Szenen von Peter F. Bringmanns neuem Film „Heartbreakers“ (Herzensbrecher) zeigen gleich, wo’s langgeht: Musik, so die nicht ganz abwegige Botschaft dieses Films, war in jenen Jahren, als gerade Who, Animals und Rolling Stones erste Ruhmeshöhen erklommen hatten, das, was die Welt der Jugendlichen im Innersten zusammenhielt.

Vor allem Dank der Tatsache, daß hier jugendliche Laiendarsteller agieren, kommt viel von der damaligen Atmosphäre zum Ausdruck: Beengtheit gleichermaßen wie die aus ihr resulitierende aggressive Aufbruchstimmung.

Die Story über eine Amateur-Beat-Band, die im Ruhrpott „alles niederbügeln“ will, zielt gleichermaßen auf die heute etwa 30- bis 35jährigen, denen vor Nostalgie der eine oder andere Schauer über den Rücken laufen wird, wie auf 14- bis 18-jährige. Ganz bewußt haben Bringmann und Drehbuchautor Matthias Seelig („Theo gegen den Rest der Welt“) Signale in den Film eingebaut, die beide Altersgruppen zur Identifikation auffordern: Die mittleren sechziger Jahre sind nicht nur in Gestalt von alten Automodellen präsent. Einiges gemahnt andeutungsweise auch an die Gegenwart, so zum Beispiel die „no future“-Attitüden des Bandleaders Freytag.

So schwankt der Film an einigen Stellen etwas unentschlossen zwischen dem Vorhaben, eine fast schon historische Stimmung zu dokumentieren und dem Ansinnen, den dazugehörigen Gefühlen neue Aktualität zu verleihen. Die Liebesgeschichte zwischen Freytag und Lisa wirkt leider sehr konventionell und wie nachträglich aufgepfropft. Gut hingegen die Kontraste zwischen Beat-Fieber und dem immer wieder als Kontrast am Rande erscheinenden Beharrungsvermögen der Revier-Umwelt mit Bergmanns-Skat, Männergesangsverein, Rumba-Tanzstunde und Kleingarten.

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das, z. B. Prosaband „Seitenblicke" (edition offenes feld, 2021), vereinzelt weitere Buchbeiträge, Arbeit für Zeitschriften, diverse Blogs und andere Online-Auftritte. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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