Familienfreuden auf Reisen: Die mauen Herren

Ankommen! Und das möglichst gut. Das war eigentlich der einzige Gedanke, der uns antrieb beim Abflug. Dass unsere Reise in die USA mit Fiona zu einer ganzen Reihe von seltsamen Begegnungen mit mauen und merkwürdigen Herren werden würde, konnten wir ja nicht ahnen.

Startschuss war schon am Gate. Ein kleiner, wohlproportionierter Herr mit Lupe in der Hand fragte uns mit unnachgiebiger Miene und Ungeduld im Blick, ob wir unser Gepäck a) selbst gepackt und b) jemand anders dazu Zugang gehabt hätte. Fi schaute den Herren ebenso erstaunt an, wie wir beide.

Trotzdem schafften wir es in den Flieger. Obwohl wir fast eine Stunde bis zum Abflug warten musste und die arme Fiona schrie wie am Spieß, sagte der ältere Herr in der Reihe hinter uns später zu mir, wir würden einen sehr guten Job machen und tätschelte meinen Kopf. Als Fi eingeschlafen war, war ich geneigt, seinen Worten Glauben zu schenken – vor allem, als die Landung ohne befürchtete Druckausgleichsschreie erledigt war. Elf Stunden Flug – wir hatten es geschafft!

Oder zumindest fast. Uns stand noch der immigration process bevor. Der Herr mit der schnittigen Frisur (gerade wie ein Lineal) und dem dazu stark kontrastierenden Armtattoo sagte, kaum, dass er einen Blick auf uns geworfen hatte: „Guten Abend!“ und demonstrierte fortan sein bestes Deutsch. Da wundert man sich nach elf Stunden Flug schon. Bereitwillig erzählte er, dass er in Deutschland stationiert gewesen war. „In Bad Tölz. Aber ich bin nicht der Bulle von Tölz! Dafür fehlen mir ein paar Kilos.“ Breites Lachen. Waren wir wirklich gerade in Amerika angekommen?

Der asiatische Taxifahrer, der uns nahezu alle unsere Gepäckstücke einladen ließ, bevor er meinte, dass das wohl doch nicht passe, wunderte uns da schon kaum noch. Als wir schließlich, die Augen kaum noch auf haltend, in unserem Hotel ankamen, schien es kein Geringerer als der Bruder von Forest Whitaker zu sein, der uns die Tür aufhielt und uns herzlich willkommen hieß. Fiona goutierte alles mit einem königlichen Winken.

Die seltsamste Begegnung bescherte uns allerdings ihre Schlafstätte: Als wir um ein Babybett baten, klopfte wenige Minuten später ein Herr an unsere Zimmertür: Schwarzer langer Mantel, Sonnenbrille, Goldkette – und vor allem zwei Uhren, so groß wie Joghurtbecher, in strahlendem Gold, besetzt mit unzähligen, glitzernden Diamanten. In der einen Hand hielt er: Fionas Babybett! Er, der sonst sicher eher unliebsame Klienten zurechtstutzte oder kruden Geschäften seinen Segen gab, ächzte nun beim Zusammenbauen des kleinen Bettchens. Ein Bild, das uns in unsere Träume begleitet hat.

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Ein Kommentar zu Familienfreuden auf Reisen: Die mauen Herren

  1. Michaela sagt:

    Eine sehr ergötzliche Schilderung!
    Auf die Frage, ob ich denn meinen Koffer selber gepackt hätte, erwog ich einst kurze Zeit zu antworten: „Also, da war so ein vollbärtiger Lockenkopf, den habe ich am Bahnhof aufgegabelt und der wollte mir unbedingt helfen, ein richtiger Kavalier!“ Dann überwog der Wunsch, die Reise fortzusetzen, und ich sagte brav: „Ja.“ Bin mir bis heute nicht sicher, ob man mir wirklich geglaubt hat. Aber ich durfte mich von oben bis unten, auch an den intimsten Stellen, betatschen lassen und weiterfliegen.

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