Überall Bananen!

Heute ein weiterer Beitrag in der Reihe „Man muss nicht alle Künstler mögen.“

Vor einiger Zeit habe ich mich an dieser Stelle über Ottmar Hörl und seine Plastik-Viecher ereifert. Dessen Hervorbringungen sind aber noch gar nichts gegen die Monokultur des Thomas Baumgärtel. Der Mann hatte mal eine Idee, nämlich möglichst den ganzen Globus mit Bananen zu bedecken. Diesen Einfall verfolgt er seither mit Furcht erregender Besessenheit.

1983 begann es mit der „Kreuzigung einer Banane“. 1986 verzierte Baumgärtel erstmals einen Kunstort mit einer gesprayten Banane. Die gebogenen Schablonen hat er seither denkbar häufig eingesetzt. Man glaubt es kaum, wie sich dies zur Manie steigern konnte: Bis heute hat er rund 4000 Stätten (vornehmlich Museen und Galerien) bananig und bananisierend heimgesucht. Dafür ist er rastlos unterwegs zwischen Ruhrgebiet und New York, Berlin und Moskau, London und Mallorca. Und und und. Rette sich, wer kann.

Ziert eine Galerie in der Nachbarschaft: gesprayte Baumgärtel-Banane (Foto: Bernd Berke)

Ziert eine Galerie in der Nachbarschaft: gesprayte Baumgärtel-Banane (Foto: Bernd Berke)

Alles Banane: Baumgärtel schuf die Bananenwand und die Felsenbanane, er kreierte Bananenzimmer, Bananenautos und eine Bananenbrücke. Auch erfand er die Kunstrichtung des „Bananenpointillismus“, sorgte beizeiten für eine Bananensprengung und montierte eine Banane in die erhobenen Hände des Papstes. Er entwarf für seinen Wohnort Köln einen Karnevalswagen, auf dem eine Banane durchs Brandenburger Tor stößt bzw. (je nach Deutung) das berühmte Bauwerk vor dem Einsturz bewahrt. Zur Finanzkrise in Hellas gab’s von Baumgärtel die Griechenflagge mit dem gekrümmten Euro-Zeichen: € = Banane. Wenn das nicht subtil ist…

Auf seiner Internet-Seite http://www.bananensprayer.de dokumentiert Baumgärtel penibel jedes Projekt. Wer alles durchklickt, wird hinterher wahrscheinlich wochenlang keine Bananen mehr sehen wollen. Es ist, als würde man immer wieder den selben Witz hören.

Baumgärtel hat nicht nur Kunst (an der Fachhochschule Köln) studiert, sondern auch Psychologie an der Kölner Uni. Das mag ihm zupass kommen, wenn er Museumsleute und Galeristen von seinem immergleichen Tun überzeugen will. Sie müssen schließlich zustimmen. Bisher hat er noch die allermeisten überredet. Er ist wahrscheinlich ein netter Kerl. Einer, dem man halt die kleine Narrenfreiheit lässt. Nur, dass die sich auf Dauer penetrant potenziert.

Zudem finden sich notfalls immer ein paar Professoren, die – ob nun augenzwinkernd oder nicht – kunsthistorisch beglaubigte Gütesiegel ausstellen und Baumgärtel etwa in die Tradition von Dada, Duchamp oder Andy Warhol (Bananen-Cover für „Velvet Underground“) stellen. Geschenkt.

Mag sein, dass in der Inneren Mongolei noch keine Baumgärtel-Banane prangt. Sonst aber kann man seinen krummen Dingern schwerlich entkommen. Auch gleich bei mir um die Ecke leuchtet eine knallgelbe Frucht neben dem Eingang einer Galerie (siehe Foto). Immerhin halbwegs unaufdringlich, wenn auch herzlich nichtssagend. Doch just in Dortmund, das er leider besonders ins Herz geschlossen zu haben scheint, will Baumgärtel aufs Ganze gehen, indem er eine gigantische Bananen-Skulptur aus gelb eingefärbtem Stahl (ca. 30 Meter lang) in 65 Metern Höhe auf einem ausgedienten Hochofen anbringt. Sie wäre in weiten Teilen der Stadt grell sichtbar. Bewahre!

Während Baumgärtel für die Hochofen-Verhunzung noch Sponsoren sucht, ist gottlob ein anderes Vorhaben ähnlich monströsen Kalibers bereits abgelehnt worden: Aufs neue Wahrzeichen Dortmunds, das Kulturzentrum „Dortmunder U“, wollte er – na, was wohl?! – eine Riesenbanane setzen, die den goldenen Buchstaben „U“ penetriert hätte.

Es ist an der Zeit, die eine oder andere Bananigkeit (frei übersetzt: Banalität) zu verweigern. Und ich meine keineswegs die DDR, wenn ich ausrufe:

„Es lebe die bananenfreie Zone!“

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), davon die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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