Die Ferres als Kanzlerin – Romanze geht vor

Wer lässt sich nur solche Romanzen einfallen? Blonde deutsche Bundeskanzlerin, Single und kinderlos, trifft beim Staatsbesuch erstmals den neuen französischen Präsidenten. Beide kommen einander „irgendwie bekannt“ vor.

Und siehe da: Sie hatten vor 25 Jahren – just in Berlin beim Mauerfall – eine heiße Nacht miteinander. Nur: Das Adresszettelchen, das ihr der damalige französische Student ins Handtäschchen steckte, das wurde vom Winde verweht. Ob die Liebe immer noch Bestand hat?

Ein wahres Spitzentreffen

Bei solchen Herzblatt-Angelegenheiten treten auch Polit-Petitessen wie das deutsch-französische Energieabkommen erst einmal flugs in den Hintergrund. „Die Staatsaffäre“ (SAT1) ist also durchaus wörtlich zu nehmen. Das Gipfeltreffen wird sozusagen zum Spitzentreffen, wobei man dann feixend an Spitzenhöschen denken darf.

Dabei wollte die edelmütig, aber auch machtbewusst denkende Kanzlerin Anna Bremer (Veronica Ferres) doch richtig ernsthaft Politik machen und sich auf keine Glamour-Geschichten einlassen. Doch ach! Als der französische Staatspräsident mit dem ähnlich trivialen Namen Guy Dupont (Philippe Caroit) mit einem Model als Begleitung aufkreuzt und der Kanzlerin zunächst die Schau stiehlt, zählen andere Qualitäten. Fortan menschelt und knistert es – gelegentlich bis zur Peinlichkeitsgrenze.

Nackter Präsident

Da gibt’s neckische Szenen noch und noch. Monsieur le Président versteckt sich nahezu nackt im Hotelzimmer der Kanzlerin, in das er sich als Kellner geschlichen hat. Zwei Begleiterinnen des italienischen Regierungschefs (Versuch einer Berlusconi-Parodie) kratzen einander eifersüchtig die Augen aus – vor laufenden Fernsehkameras und zum Quietschvergnügen der penetranten TV-Reporterin namens Gretchen Hammerstein.

Ja, wenn sich Klein-Mäxchen die große Politik ausmalt, dann kommt womöglich so etwas dabei heraus. Mit Angela Merkel und sonstigen Realitäten hatte das jedenfalls herzlich wenig zu tun. Veronica Ferres sagt indessen, sie habe Merkels Haltungen genau studiert. Wahrscheinlich glaubt sie auch, die Hauptrolle in einem politischen Film gespielt zu haben.

Ein bisschen Jux ist auch dabei

Es ist – zumal in den Nebenrollen – auch ein bisschen Jux im Spiel. Da wird ein wenig mit Klischees über Deutsche und Franzosen gescherzt, auch gibt’s den einen oder anderen Ulk über Macho-Attitüden. Stellenweise komisch die deutsche Parteikonkurrenz, die jede Schwäche der Kanzlerin nutzen will und ihr erpresserisch nachspioniert. Doch am Schluss werden alle Gegensätze überwunden.

Die wahre Macht, so muss man anfangs denken, liegt in den Händen der Berater. Der Filou Bernhard (Martin Brambach) sucht der Kanzlerin so manches einzuflüstern – allerdings vergebens. Doch der Darsteller ist stärker als Veronica Ferres, die die Kanzlerin zuweilen wie nach dem Musterbogen einer Zeitschrift für starke Frauen mit Gefühl verkörpert. Vielleicht trotzdem kein Zufall, dass in den Werbepausen viel von Lockenpracht und Haarpflege die Rede war.

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), davon die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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Ein Kommentar zu Die Ferres als Kanzlerin – Romanze geht vor

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