Orakel 2012: Die nähere Zukunft des Ruhrgebiets

„Was wird sein?“ fragt der Flaneur den Sesshaften. Der schaut sein Rotweinglas an, nimmt einen Schluck und vertieft sich in das Orakel eines Chateau Lafite Rothschild 1986
OWC und spricht mit tiefer Stimme: „Der Dortmunder Trinkerraum – vormals Saufraum – wird trockengelegt. Eine Sozialarbeiterin aus dem Süden Europas vollbringt das Wunder und bringt die Trinkergemeinschaft dazu, dem Alkohol abzuschwören.
Die Nordstadt wird eine Domäne der Abstinenz. Die Ruhrtourismus GmbH verpasst wieder einmal die Chance, Schnäpschenangebote zu machen.

„Das ,U‘ nimmt weise Tauben auf“, flüstert der Seher in mein Ohr. „2012 wird die Taube wieder in den Turm einziehen und den Frieden auf Erden verkünden. In der Kathedrale finden regelmäßig Betstunden statt und der Papst hat für 2023 sein Kommen angekündigt. Ein Scheich aus Abu Dhabi kauft die umliegenden Bürogebäude und lässt sie abtragen.“

„Freie Sicht im Dunst!“ wird eine Bewegung, die sich jeden Montag vor der letzten Eckkneipe der Stadt versammelt, um gegen die Diskriminierung der Raucher zu demonstrieren.“

„Die Oper“, hebt er mit künstelnder Stimme an, „wird einen neuen Boom erleben. Der neue Intendant veranstaltet öffentliche Castings für Sängerinnen und Sänger und Orchestermitglieder. Das Publikum stimmt ebenso darüber ab, wer ein Engagement erhält, als auch wie die Opern besetzt werden. Die so entstandenen schlechten Inszenierungen werden bundesweit zu einem Renner. Ein neues Genre ist ein altes: Die Komische Oper.“

Denken!

„Eine Gruppe freier Künstler stellt ruhrgebietsweit Liegestühle auf (in Parks, auf Plätzen, auf Dächern und in den Einkaufszentren) und lädt zum öffentlichen Nachdenken ein. Die Bürgerinnen und Bürger machen davon Gebrauch und rufen die Ordnungshüter auf den Plan. „Öffentliches Denken“ sei nur erlaubt, wenn eine Genehmigung vorliege, heißt es. Die Ordnungsämter lehnen die Denkgenehmigungen ab. Die Politik solidarisiert sich mit den Denkenden. Während der Ratssitzungen tragen sie Maulkörbe, was stern-TV auf den Plan ruft.

Herne wird in Wanne-Eickel wieder Wanne-Eickel heißen und Bochum in Wattenscheid Wattenscheid, zumindest auf Autokennzeichen. In Gelsenkirchen wird das neue Rathaus, das alte Hans-Sachs-Haus, wieder eröffnet. OB Baranowski singt, begleitet von den Gelsenkirchener Probsteispatzen Georg Kreislers Lied von Gelsenkirchen und setzt sich damit über alle Bedenken des Rates hinweg.

„Schalke spielt nach wie vor mit Raúl, Dortmund mit Reus, Bochum mit Coladosen und Duisburg mit dem Ansehen.“

Der Seher wendet seinen Blick aus dem Fenster und sieht, wie der Flaneur kopfschüttelnd zur Straßenbahnhaltestelle läuft. Er nimmt noch einen Schluck Roten, zündet sich eine Havanna an, nimmt seine Fernbedienung und schaltet „Dinner for one“ ein. „The same procedure as last year? The same procedure as every year.”

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2 Kommentare zu Orakel 2012: Die nähere Zukunft des Ruhrgebiets

  1. dman sagt:

    Der ReformVereinRuhrgebiet entwickelt die Idee, dass alle zusammenhalten sollten und erhält dafür den eigenen Medienpreis. Der VRR schließt sich mit dem KVB, dem BVB und dem USB zusammen, um sich effektvoller im Kreis drehen zu können. Dies bedingte allerdeings eine Fahrpreiserhöhung um 12%.

  2. Bernd Berke sagt:

    Was wird aus RVR und VRR?

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