Tagesarchive: 17. Dezember 2011

Allen Krisen zum Trotz: Jürgen Habermas will das Projekt Europa retten

Die Euro-Krise scheint kein Ende zu nehmen. Die zögerlichen und halbherzigen, oft populistischen Reaktionen der Politik lassen ein Scheitern des europäischen Projekts als reale Möglichkeit erscheinen. Da kommt ein Buch von Jürgen Habermas gerade recht. Der bekannteste lebende Philosoph Deutschlands – wenn nicht sogar der ganzen Welt – hat einen Essay („Zur Verfassung Europas“) geschrieben, mit dem er in die Debatte um die Zukunft des Kontinents eingreifen und der sich ausbreitenden Europa-Skepsis einen philosophischen Antikrisenplan entgegensetzen will.

Wenn allerdings „Die Zeit“ meint, es sei „das Buch der Stunde“, werden falsche Erwartungen geweckt: Denn Habermas gibt keine Handlungsanweisung zur Rettung des angeschlagenen Euro. Es geht ihm nicht um Rettungsschirme oder Eurobonds, sondern, im doppelten Sinne, um die Verfassung Europas: Wie haltbar ist die europäische Idee und wie sollte eine europäische Verfassung im Sinne umfassender Demokratisierung und Transparenz aller Entscheidungsprozesse aussehen? Habermas will Denkblockaden beiseite räumen und dazu animieren, in der größten Krise auch die größten Chancen für eine Neugestaltung und Weiterentwicklung Europas zu sehen: Ein Scheitern der europäischen Idee, da hat Habermas Recht, würde die Demokratisierung Europas um mindestens ein Jahrhundert zurückwerfen.

Veröffentlicht unter Gesellschaft, Philosophie, Politik und so | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar