Der enteignete Flüchtling oder: Wie Helfer sich selbst helfen

Von wegen: Der Flüchtling, Geflüchtete, Migrant nimmt „den Deutschen” die Arbeit weg! Theaterpädagogen, Erwachsenenbildner, Sprachlehrer, Bittsteller aller Art sowie Kulturpolitiker und Ministerien haben beim Geldbeschaffen und -ausgeben seit Längerem die „Flüchtlingsarbeit” entdeckt. So hält man gekonnt sich selbst und seine Institution über Wasser oder in der Presse.

Ilija Trojanow signiert sein Buch „Nach der Flucht” – Literaturhaus Dortmund, Herbst 2017.
Foto: Jörg Briese

Projekte & „Maßnahmen”

Clevere Kultur-/Bildungsinstitutionen produzieren unentwegt Projekte & „Maßnahmen”, in deren subventioniertem Rahmen sesshafte Deutsche gestrandete Boatpeople fürsorglich betreuen. Der Flüchtling als aufzupäppelndes Mündel erzählt dann beim Integrations-Coaching, auf der Bühne oder im Video seine Geschichte, erregt kurzfristig Mitleid – das zu nichts führt.

Anästhesie statt Aufwachen

Welch öde Fassadenmalerei: Weder die Künstlerin noch der Pharmaziestudent aus Aleppo werden sich je geglückt zur Sprache bringen, indem sie sich auf ihr Flüchtlingsdasein reduzieren (lassen).

Und nach der „Maßnahme”? Der syrische Zahnarzt wird in die Altenpflege gedrängt, die IT-Fachfrau zum Caritas-Praktikum. Nur die Träger der „Integrations”-Projekte selbst haben allerdings eine Zukunft: Mein lukrativer Flüchtling komme, mein Wille geschehe. „Flüchtlingsindustrie” heißt das obszön. Interkulturelles Lernen sieht sicher anders aus.

Da bleibt’s  doch komfortabler bei der Mär, die Einwanderer nähmen uns jene Arbeit weg, die wir eh nicht mehr machen wollten. Doch wehe uns! Eines Tages vielleicht treffen wir in Pflegeheimen mit Deutschlandfahnen in den Fenstern auf arabische, nordafrikanische, afghanische Pflegekräfte – und dürfen froh sein, wenn sie uns mit der Bettpfanne (inklusive Notdurft) keins überziehen.

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