Das Konzerthaus an die Spitze führen – Benedikt Stampa vom Dortmunder Rat zum neuen Intendanten gewählt

Von Bernd Berke

Dortmund. Es ist vollbracht: Gestern wurde Benedikt Stampa (39) im Dortmunder Stadtrat mit großer Mehrheit als neuer Konzerthaus-lntendant gewählt – und zwar im ersten Wahlgang.

Die FDP und einzelne CDU-Abgeordnete übten Stimmenthaltung. Doch SPD und Grüne stimmten einmütig für den Mann, der bislang die Hamburger Laeisz-Musikhalle geleitet hat.

Auftamen also in Dortmund. Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer freute sich, dass der neue Intendant in „extrem kurzer Zeit“ gefunden worden sei. Stampa sei der ideale Kandidat. Er könne das Konzerthaus in die „Champions League“ führen, wobei er aber finanzielles Augenmaß beweisen müsse.

Stampa selbst, just nach dem Ratsentscheid noch auf Stippvisite im Konzerthaus und dann eilends ins Rathaus zurückgekehrt, formuliert da noch etwas vorsichtiger. Das Haus gehöre mindestens an die deutsche, in etwa zehn Jahren vielleicht auch an die europäische Spitze.

Ein veritables „Dickschiff“

Was hat ihn bewogen, aus der Hansestadt nach Dortmund zu kommen? Stampa: „Dass das Konzerthaus hier eine ganz zentrale Rolle spielt. Das ist mir erst jetzt richtig bewusst geworden.“ So wichtig sei offenbar die Westfälische Philharmonie in der Stadt, dass er sich schon fast so gefragt fühle wie ein neuer BVB-Trainer. Und dann fällt ihm doch ein Begriff aus seinem bisherigen hanseatischen Wirkungskreis ein: Das Dortmunder Konzerthaus sei gewiss ein „Dickschiff“.

Der im münsterländischen Emsdetten geborene Stampa weiß, dass er mit Werbemaßnahmen fürs Konzerthaus auch ins weite westfälische Umland gehen muss. Er habe in Hamburg ähnliche Erfahrungen gesammelt: „Da reichte unser Einzugsgebiet auch bis hinauf nach Lübeck.“

Der neue Intendant will möglichst im September seine Arbeit in Dortmund aufnehmen, die Planung für die nächste Saison (Start: 15. September 2005) obliegt also noch weitgehend dem Interims-Chef Albrecht Döderlein. Stampa mag jetzt noch nichts über eigene Schwerpunkte sagen. Jawohl, er habe ein Lieblingsprojekt, aber auch davon werde später zu berichten sein.

Vertragsdauer noch nicht geklärt

Dortmunds Kulturdezernent Jörg Stüdemann dankte seiner Hamburger Amtskollegin Karin von Welck. Sie lasse Stampa schweren Herzens, doch ohne Komplikationen ziehen. Apropos: Wie man hört, wird’s jetzt an der Elbe ähnlich hektisch wie zuvor in Dortmund. Bereits Anfang Mai soll dort Stampas Nachfolger vorgestellt werden.

Wie lange Stampas Dortmunder Vertrag währt, wurde gestern noch nicht verraten. Jörg Stüdemann: „Wir verhandeln noch darüber und werden uns an bühnenüblichen Gepflogenheiten orientieren.“ Mithin darf man wohl von einem Vertrag für etwa fünf Jahre mit Verlängerungs-Option ausgehen.

Vom Mitte Januar zurückgetretenen und dann gekündigten Vorgänger Ulrich Andreas Vogt war nur noch indirekt die Rede. Stüdemann mag’s sportlich: Seinerzeit habe „der Reiter in vollem Lauf das Pferd verlassen“. Um im Bild zu bleiben: Jetzt sattelt mit Stampa ein neuer Jockey. Mit seinen 2,03 Metern Körpergröße ist er freilich für den Turf-Beruf viel zu stattlich.

 

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das, z. B. Zeitschriften, diverse Blogs und Online-Auftritte. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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