Jenseits der bloßen Ästhetik – Bundeskongress der Kunstpädagogen in Dortmund

Von Bernd Berke

Dortmund. Die letzten Treffen gab’s in München und Leipzig, nun ist Dortmund an der Reihe: An der Uni und im Harenberg City-Center tagt von morgen bis Sonntag der Bundeskongress der Kunstpädagogen.

Welche Themen stehen auf der Agenda der rund 300 Teilnehmer? Die WR fragte den Dortmunder Kunstwissenschaftler Prof. Klaus-Peter Busse, der beim Kongress federführend ist.

In der wahrlich vielzitierten Pisa-Studie, bei der deutsche Schüler bekanntlich im Schnitt nicht geglänzt haben, seien die ästhetischen Fächer (Musik, Kunst) gar nicht berücksichtigt worden, sagt Busse. Also wollen die Kunsterzieher jetzt selbst eine Standortbestimmung vornehmen. Ein wachsendes Problem, doch auch eine Chance ist offenbar die kulturelle Verschiedenheit in den Klassenzimmern. Busses Wunsch: „Man sollte Fremdheit aushalten und ins Produktive wenden.“

In manchen Kulturkreisen herrscht gar ein religiös motiviertes „Bilderverbot“. Das dürfte herkömmlichen Kunstunterricht nicht gerade begünstigen. Busse erklärt, dass künstlerisches Denken zunehmend auch ohne (fertige) Bilder gelehrt werde. So etwa bei der Stadtteilarbeit und in Jugendzentren. Da gehe es eher um genaue Wahrnehmung („Wo leben wir eigentlich?“) und fruchtbare Phantasien zur Umgestaltung städtischer Räume. Auch Formen der Aktionskunst spielen eine Rolle.

Das Kongress-Motto beschwört etwas wolkig „Das (Un)vorhersehbare in kunstpädagogischen Situationen“. Damit dürften auch Störungen im Unterricht gemeint sein. Busse: „Im Fach Kunst sind manche ,Störungen‘ sogar erwünscht, weil sie die Kreativität fördern können.“

An neueren Bildwelten kommen auch Kunstlehrer nicht vorbei. Akuten pädaogischen Handlungsbedarf sieht Busse in Sachen Computerspiele und Handy-Videos. Mit den darin häufig enthaltenen (Gewalt)-Botschaften würden Kinder und Jugendliche bislang oft allein gelassen. Ein Themenfeld, das weit über bloße Ästhetik hinaus reicht.

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das, z. B. Zeitschriften, diverse Blogs und andere Online-Auftritte. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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