Nächtliche Gespräche mit dem Kühlschrank – Treffen mit Axel Hacke auf der Buchmesse

Von Bernd Berke

Frankfurt. Axel Hacke (44) hat mit seinen Büchern und mit Glossen im Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ die oft absurden kleinen Katastrophen seines Familienlebens höchst unterhaltsam aufbereitet. Sein „Kleiner Erziehungsberater“ geriet zum heimlichen Bestseller, sein neues Buch heißt: „Ich sag’s euch jetzt zum letzten Mal“.

Hauptfiguren: Ehefrau Paola, Söhnchen Luis (nur die Vornamen hat Hacke erfanden), der Autor selbst und der brummige alte Kühlschrank namens „Bosch“. Die WR traf Axel Hacke am Buchmesse-Stand des Verlages Antje Kunstmann.

Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, einen Kühlschrank auftreten zu lassen?

Axel Hacke: Nun ja, der ist noch’n bisschen melancholischer als ich – und damit ein guter Gesprächspartner für nachts, wenn man allein in der Küche sitzt und noch ein Bier trinkt. Mit dem kann man auch gut über das Bedrohliche an der ganzen modernen Technik reden. Mit der Konstellation Autor, Frau, Kind und Kühlschrank lässt sich fast das ganze Alltagsleben einfangen. Und das hat offenbar einiges mit dem Alltag meiner Leser zu tun. Ich kriege Briefe, in denen sinngemäß steht: „Wie kommen Sie dazu, aus meinem Leben zu berichten?“

Stimmt es eigentlich, dass Ihr kleiner Sohn im Auto unentwegt und möglichst laut den Titel „Sex Bomb“ von Tom Jones hören will?

Hacke: Oh ja, das Problem hatte ich wirklich, als er vier Jahre alt war. Im Moment ist sein Lieblingslied allerdings „Der Anton aus Tirol“. Wenn Sie das hundert Mal hören müssen…

Man merkt Ihren Texten an, dass Sie es wunderbar finden, einen Sohn zu haben – aber auch, dass Sie oft schrecklich genervt sind.

Hacke: Ich finde es im Grunde toll mit Kindern. Und dann wiederum stören sie einen in dem, was man als Erwachsener zu tun hat. Wenn ich meinen Sohn in den Kindergarten bringe, habe ich’s wahnsinnig eilig. Und dann will er diese Musik nochmal hören! Da kocht es in mir…

Ihre Frau wirkt in den Texten viel gelassener als Sie.

Hacke: Ja, in den Texten schon. Eigentlich hat sich da so eine Art Parallel-Universum für mich aufgebaut. Die Wirklichkeit, aber leicht zur Seite verschoben. Inzwischen laufe ich sozusagen mit dem Notizblock durchs Leben. Manchmal dachte ich schon: Ich recherchiere ja immerzu in meiner Familie herum. Das Gute daran: Inzwischen weiß ich, wenn etwas im Alltag schief geht, kann ich immer noch eine Geschichte daraus machen.

Erzählen Sie uns ein Beispiel?

Hacke: In der Elterngruppe vom Kindergarten gab es einen Öko-Fanatiker, der uns dermaßen als „Wurstesser“ denunziert und gemobbt hat, dass wir die Gruppe notgedrungen verlassen haben. Zunächst war ich ungeheuer wütend. Erst nach einem halben Jahr konnte ich eine Geschichte daraus machen. Erst da war es nicht mehr verkrampft und böse, sondern hatte die Leichtigkeit, auf die es mir ankommt. Diese schöne Distanz.

Die Familie gibt jedenfalls mehr Geschichten her als andere Lebensformen?

Hacke: Ich glaube schon. Mann – Frau, Eltern – Kinder. Das ist von vornherein spannungsreich. Da muss man gar nicht mehr viel hinzu erfinden. Und wenn das Kind dann noch so ein Temperamentsbolzen ist wie mein Sohn…

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das, z. B. Zeitschriften, diverse Blogs und andere Online-Auftritte. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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