Kunst ohne Hemmschwellen – Wie sich die Galerie Bengelsträter in Iserlohn etabliert

Von Bernd Berke

Iserlohn. Jutta Bengelsträter ist wohl das, was man im häßlichen Neudeutsch eine „Power-Frau“ nennt. Im März 1995 hat sie ihre Galerie in Iserlohn eröffnet, jetzt kann sie mit Heinz Mack schon eine Leitfigur der neueren Kunst präsentieren.

Dabei hat sich die heute 36-Jährige zuerst weitab vom Pfad der Kunst bewegt. Sie begann als Betriebssoziologin in Duisburg und steuerte auf eine Karriere im Management zu. Doch nebenher hatte sie ein paar Semester Kunst studiert. Und nach einer privaten Trennung zog sie mit Sohn Felix auf die Insel Borkum – der guten Luft wegen. Dort gab sie Malkurse, sie eröffnete eine Buchhandlung, arbeitete im Jugendzentrum.

Dann kam sie ins Sauerland, war als Kunstpädagogin im Drahtmuseum Altena und an der Musikschule in Schalksmühle tätig. Schließlich ergab sich die Möglichkeit, die ehemalige Schreinerei im ererbten Iserlohner Haus zur dreigeschossigen Kunstgalerie umzubauen.

Am Anfang eine Lehrzeit

Die ersten eineinhalb Jahre waren Lehrzeit: „Ich mußte herausfinden: Wie betreibe ich überhaupt eine Galerie, wie bekomme ich Kontakt zu Künstlern?“ Mittlerweile hat sich ihre Galerie etabliert, zu den Vernissagen kommen etliche Gäste aus Dortmund und Hagen, vereinzelt auch aus dem kunstverwöhnten Rheinland. Und das Viertel hat sich spürbar gebessert. Gab hier bis vor einiger Zeit noch die einschlägige Hagener „Szene“ brutale Gastspiele, so läßt sich derzeit neben der Galerie ein Naturkostladen nieder. Alternativ angehauchte Bürgerlichkeit.

Nun also der große Name: Heinz Mack, Mitgründer der legendären Gruppe „Zero“, die sich der Lichtkunst und der Kinetik (bewegliche Objekte) verschrieb. Mack zeigt in Iserlohn eine kleine Werkauswahl von 1964 bis heute. Man kann hier sehr schön verfolgen, wie variantenreich Mack einem seiner Grundimpulse, der prismatischen Zerlegung des Farbspektrums, treu geblieben ist. Übrigens: Die teuerste Arbeit kostet 77 000 DM, ein Siebdruck 1300 DM.

Heinz Mack war zunächst skeptisch

Die Galeristin: „Als Neuling im Geschäft brauche ich einfach solche Prominenz, damit es sich herumspricht.“ Mack hatte sich geziert: „Was soll ich denn in Iserlohn?“ Doch er ließ sich überreden. Letzten Endes dienen derlei Ausstellungen als „Lokomotiven“ für junge Künstler. Jutta Bengelsträter ist dabei, einen Stamm hoffnungsvoller Begabungen um ihre Galerie zu scharen. Und sie möchte erreichen, daß (ähnlich wie im nahen Lüdenscheid) in Iserlohn eine Art Netzwerk der Kunst entsteht – mit den zwei Privatgalerien am Ort, der „Villa Wessel“, der städtischen Galerie „Die Welle“, der Galerie im Parktheater und dem Stadtmuseum.

Hemmschwellen beim Betreten der Galerie will Jutta Bengelsträter („Ich mag’s locker“) möglichst niedrig halten. Deswegen gibt’s ab und zu musikalische Einlagen oder auch kulinarische: „Wir hatten mal Künstler aus Norddeutschland hier. Die haben haufenweise Fisch mitgebracht. Da gab’s eben ein großes Heringsessen.“ Und wer den Hering verputzt hatte, wollte dann auch die Kunstwerke sehen…

Galerie Bengelsträter, Iserlohn, Kurt-Schumacher-Ring 20, Durchgang zum Hof (Tel. 02371/14741). Ausstellung Heinz Mack bis 14. November, Di-Fr 16-19, Sa/So 11-14 Uhr.

image_pdfPDFimage_printDrucken

Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das, z. B. Zeitschriften, diverse Blogs und andere Online-Auftritte. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
Dieser Beitrag wurde unter Kunst abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Kunst ohne Hemmschwellen – Wie sich die Galerie Bengelsträter in Iserlohn etabliert

  1. Bernd Berke sagt:

    Nachtrag im Mai 2019: Die Galerie Bengelsträter gibt es immer noch – mit Dependancen in Iserlohn und Düsseldorf: http://www.galerie-bengelstraeter.de/

Kommentare sind geschlossen.