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Monatsarchive: Juli 2001
Was heißt denn hier naiv – Kunsthalle Recklinghausen zeigt Werke von russischen Laienmalern
Von Bernd Berke
Recklinghausen. Wenn wir von naiver Kunst reden, so ist das allemal ein unscharfer Sammelbegriff. Sicher, da gibt’s die unbedarften Sonntagsmaler, die aus schierem Horror vacui (Angst vor Leere) auch noch den letzten Bildwinkel besinnungslos füllen – gegen jede kompositorische Vernunft. Doch manche, die gleichfalls „naiv“ genannt werden, sind eher subversiv veranlagt und üben sich im freien Spiel mit dem vom Kunstbetrieb Verdrängten.
Mit der Recklinghäuser Kunsthalle traut sich jetzt mal wieder ein stockseriöses Haus ans Thema heran – eine Anknüpfung an örtliche Gepflogenheiten, denn hier setzte sich schon der frühere Hausherr Thomas Grochowiak fürs rege Schaffen der Laien ein. Auf drei Etagen präsentiert man nun rund 60 Arbeiten von „Russischen Naiven“ neueren Datums.
Die Bilder stammen aus der weltgrößten Spezialsammlung, welche von der Galeristin Charlotte Zander in einem Schloss bei Stuttgart verwahrt wird.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Alexander Belych, Ferdinand Ullrich, Kunsthalle Recklinghausen, Laienkunst, Naive Kunst, Pawel Leonow, Russische Naive, Russland
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Westfalen und die Leselust – Neues Museum „Haus Nottbeck“ in Oelde unternimmt Streifzüge durch die regionale Literatur
Von Bernd Berke
Oelde. Anfangs ließ sich die Liaison der Buchdruckerkunst mit dem westfälischen Menschenschlag noch gut an: 1478, recht bald nach Gutenbergs weltbewegender Erfindung, erschien hier eine niederdeutsche Bibel. Um 1490 druckten dann Sauerländer allerorten: Es florierte der Baseler Buchdruck des aus Olpe stammenden Humanisten Johannes Bergmann, während Peter Attendorn in Straßburg schöne Bücher herstellte.
Mehr noch: Münster mauserte sich bald zum kulturellen Zentrum. Doch später ging’s phasenweise arg bergab. Da hatte die Literatur in Westfalen kaum noch eine Heimstatt. Schaudernd erfährt man’s im neuen Westfälischen Literaturmuseum zu Oelde: Von 1800 bis 1840 erschien in Unseren Landstrichen kein einziger (!) Roman, es fehlten belletristische Verlage in der Region.
Auch das Lesebedürfnis hielt sich seinerzeit in Grenzen. Anno 1854 gab es in ganz Deutschland rund 4000 Leihbibliotheken, davon siedelten nur 38 in Westfalen.… Weiterlesen
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Wie beim Tratsch im Treppenhaus – Martin Walsers Roman „Der Lebenslauf der Liebe“
Von Bernd Berke
Man könnte diese Susi Gern beneiden. Mit ihrem Gatten, dem Star-AnwaIt Edmund Gern, lebt sie in einem 390 Quadratmeter großen Düsseldorfer Dachwohnungs-Paradies. Er fährt einen Bentley, sie begnügt sich mit Porsche. Von Edel-Garderobe und Kunstsammlung reden wir gar nicht erst. Damit alles hygienisçh bleibt, gönnen sie sich fünf Putzfrauen.
Für seinen neuen Roman „Der Lebenslauf der Liebe“ hat sich Martin Walser nicht gerade in den Elendsquartieren umgetan. Geld ist (zunächst) reichlich vorhanden, und auch an Wortreichtum lässt es der Autor nicht mangeln: Auf 525 Seiten breitet er Susis schweres Eheschicksal und Vorfälle aus ihrem Umfeld derart redselig und uferlos aus, dass man sich fast beim Tratsch im Treppenhaus wähnt. Ungleich besser formuliert als zwischen Tür und Angel, gewiss; doch meist nicht so funkelnd, wie wir es bei Walser lieben.… Weiterlesen
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Die einfachen Dinge des Lebens lieben – Der Schauspieler Heinz Bennent wird heute 80 Jahre alt
Von Bernd Berke
In unseren Zeiten mag man solch einen Menschen für einen Sonderling halten: Seit vielen Jahren lebt er ohne Auto und Fernsehgerät, sein Wasser schöpft er (im Zweitdomizil auf Mykonos) am liebsten selbst aus dem Brunnen. Und manches mal, so heißt es, hören ihn die Leute im Stadtpark von Lausanne mit wirrem Gestus zu sich selbst sprechen.
Dann rezitiert er vielleicht Gedichte Hölderlins, des seit jeher innig verehrten Dichters. Wohl nur die Kultur kann derlei Bruderschaften quer durch die Jahrhunderte stiften.
Wir reden von einem unserer größten Schauspieler: Heinz Bennent, der heute vor80 Jahren in Stolberg bei Aachen als jüngstes von sechs Kindern eines Buchhalters geboren wurde und der eben die einfachen, unverbogenen Dinge des Lebens liebt.
Der gegen jede Autorität allergische Junge wurde aus der Hitlerjugend wegen „mangelnden Gehorsams“ ausgeschlossen, später brach er eine von den Eltern erzwungene Schlosserlehre ab, um seine Theater-Leidenschaft auszuleben.… Weiterlesen
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Invasion der harmlosen Gestalten – Renate Göbel zeigt ihre rundlichen Papp-Figuren im Dortmunder Ostwall-Museum
Von Bernd Berke
Dortmund. Für Festlegungen ist die Künstlerin Renate Göbel (Jahrgang 1934) kaum zu haben. Nein, ihre Skulpturen aus Papiermaché oder Polyester (haltbare Freiluft-Variante) seien „nicht nur ernst gemeint“. Dann also eher ironisch? Wieder lautet die Antwort: „Nicht nur…“
Na, klar doch: Zwischentöne sind angesagt bei der neuen Ausstellung des Dortmunder Ostwall-Museums. Zumindest die Farbgebung der Plastiken löst diesen Anspruch geschmackvoll ein. Allein diese mild schimmernden Violett-Klänge!
In seltener Fülle wird das Schaffen der Renate Göbel von 1967 bis in die jüngsten Tage dokumentiert. Über 70 Skulpturen kommen hier zusammen, außerdem einige Zeichnungen und Reliefs.
Weil die Künstlerin vor allem „Menschen mit Volumen“ mag und stets beim Figürlichen verharrte, begegnet man hier allerlei wohlbeleibten Gestalten. Gleich eingangs sitzt jene rundliche Dame als „Beifahrerin“ im Benz-Cabrio – nun raten Sie mal, wer die Ausstellung gesponsert hat.… Weiterlesen
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Westfalens Weltdichterin: Annette von Droste-Hülshoffs Gesamtwerk liegt jetzt in 28 Bänden vor
Von Bernd Berke
Münster. Um Westfalens große Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) sind häufig politische Scharmützel ausgefochten worden. Im „Kulturkampf“ (um 1875) wollten Bismarcks Preußen ihr Werk als nationales Sprachdenkmal für ihre Zwecke vereinnahmen. Die katholischen Widersacher hielten dagegen und betonten konservativ-religiöse Aspekte ihrer Lyrik und Prosa.
Heute haben feministisch inspirierte Deutungen die Oberhand gewonnen, die im Erdenwallen der Droste ein exemplarisch unterdrücktes Frauenleben erkennen wollen, das sich auch zwischen den Zeilen mitteile. Tatsächlich hat die patriarchalische Familie der Dichterin zeitlebens manche Schwierigkeiten bereitet und der Droste 1845 sogar ein striktes Schreibverbot erteilt.
Sie war nicht nur ein braves Fräulein
Gestern wurde, nach über 20 Jahren Detail-Arbeit, in Münster ein Mammut-Unternehmen der Literaturwissenschaft präsentiert: Die 28 Bände der historisch-kritischen Droste-Ausgabe sind komplett fertig!… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur
Verschlagwortet mit 28 Bände, Annette von Droste-Hülshoff, Gesamtausgabe, Historisch-kritische Ausgabe, Max Niemeyer Verlag, Münster, Prof. Winfried Woesler, Westfalen
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Auf dem Wege zum Urbild – Alexej von Jawlensky und einige Zeitgenossen in Duisburg
Von Bernd Berke
Duisburg. Für hiesige Museumsbesucher ist Alexej von Jawlensky (1864-1941) wahrlich kein Unbekannter: 1998 gab es eine reich bestückte Retrospektive am Dortmunder Ostwall, sodann eine (wegen Fälschungs-Verdachtes) höchst strittige Schau im Essener Folkwang-Museum. Nun ist Jawlensky gleichsam noch ein Stück weiter nach Westen gewandert und im Duisburger Lehmbruck-Museum „angekommen“.
Hier hat man einen etwas anderen Ansatz gefunden, um den Meister der Klassischen Moderne zu präsentieren. Unter den 100 Exponaten stammen 48 von Jawlensky. Das ist kein Manko, im Gegenteil. Sinnfällig wird sein Werk auf den künstlerischen Kontext der Zeit bezogen. Dabei konzentriert man sich vornehmlich auf Jawlenskys Schweizer Jahre von 1914 bis 1921. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatte der russische Künstler, der bis dahin in München lebte (wo er mit Franz Marc die Gruppe „Blauer Reiter“ gründete), Deutschland verlassen müssen.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kunst & Museen
Verschlagwortet mit Alexej von Jawlensky, Duisburg, Hodler, Jawlensky in der Schweiz, Lehmbruck-Museum, Werefkin, Wilhelm Lehmbruck
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