Tagesarchive: 11. Februar 2004

Im Sandkasten beginnt das Lebensdrama – Gerhard Henschels „Kindheitsroman“

Schon bald erfasst einen bei Lektüre ein gewisser Unmut. Seite um Seite werden kleine und kleinste Begebenheiten beschworen, etwa solche Erlebnisse bei einer Bahnfahrt: „Für uns hatte Mama Schnitten mit Jagdwurst und Käse eingepackt und zwei Flaschen Sprudel. Den kriegten wir in unseren Kababechern zugeteilt. Wiebkes Becher war rot… Als ich aufs Klo mußte, brachte Mama mich hin, aber das Klo war besetzt. Im nächsten Waggon war noch eins.“

Warum soll uns dieser Kleinkram interessieren? Weil sich mit zunehmender Lesedauer ein Sog entwickelt, dem man nur schwer entrinnen kann. Dies wiederum liegt daran, dass wir alle jene Dinge erlebt haben, die hier äußerst detailfreudig in quasi anekdotischen Häppchen ausgestreut werden.

Heißer Atem des unmittelbaren „Jetzt“

Der „Kindheitsroman“ von Gerhard Henschel (Babyboomer-Jahrgang 1962; zeitweise Satiriker bei „Titanic“) versammelt Hunderte, ja Tausende von Bruchstückchen aus dessen eigener Frühzeit zwischen 1964 und 1975. Da war Henschel zwischen zwei und dreizehn Jahre alt und wuchs in Koblenz auf.

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