Tagesarchive: 7. März 2013

Requiem auf den toten Sohn, Hymne aufs Leben: David Grossmans „Aus der Zeit fallen“

Ein Mann und eine Frau sitzen beim Abendessen. Sie haben lange geschwiegen. Die dröhnende Stille ist kaum mehr auszuhalten.

Doch die Trauer über den Tod des geliebten Sohnes ist zu groß, die Wunde, die der plötzliche Verlust des viel zu früh Verstorbenen hinterlassen hat, zu tief. Die in ihrem unendlichen Schmerz erstarrten Eheleute sind sich fremd geworden, finden keine Worte, um sich und den anderen zu trösten und vom Leid zu erlösen. Da, endlich, schiebt der Mann seinen Teller beiseite und bricht das fünf Jahre währende Schweigen: „Ich muss gehn./ -Wohin? / – Zu ihm. / – Wohin? / – Zu ihm, nach dort.“

Grossman_24126_MR.indd

Uri Grossman, der Sohn des israelischen Autors David Grossman, ist am 12. August 2006 gestorben. Der Libanon-Krieg war schon fast vorbei, da beendete eine Rakete der Hisbollah das Leben des gerade einmal 20jährigen Feldwebels der israelischen Armee. Vater David Grossman schrieb damals gerade an seinem Roman „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“: Ora und Avram haben einen Sohn, der in den Krieg zieht. Weil sie es nicht ertragen, zu Hause zu sitzen und auf die Nachricht vom möglichen Tod ihres Sohnes zu warten, machen sich die beiden auf zu einer langen Wanderung durch Galiläa.

Veröffentlicht unter Literatur | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar