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Nachlass von Fritz Walter unterm Hammer – große Aufregung in Kaiserslautern, gewisses Interesse in Dortmund

Anno 1965 Im Trainingslager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zu Malente: Fritz Walter (2. v. re.) mit dem jungen Franz Beckenbauer (re.), Bundestrainer Helmut Schön (li.) sowie einem Fotografen. (Foto: Wikimedia Commons / Friedrich Magnussen (1914-1987) / Stadtarchiv Kiel). Link zur Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.de

Anno 1965 im Trainingslager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zu Malente: Fritz Walter (2. v. re.) mit dem jungen Franz Beckenbauer (re.), Bundestrainer Helmut Schön (li.) und einem Fotografen. (Foto: Wikimedia Commons / Friedrich Magnussen (1914-1987) / Stadtarchiv Kiel). Link zur Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.de

…und schon wieder so ein kleiner Aufreger mit Dortmunder Querbezug: Am 16. Februar sollen im Heidelberger Auktionshaus „Kunst & Kuriosa“ rund 1000 Stücke aus dem Nachlass von Fritz Walter, dem 2002 verstorbenen Ehrenspielführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, versteigert werden.

Zum Konvolut gehört – mit Verlaub – wohl ziemlich viel Plunder. Aber immerhin wären da auch die goldene Uhr, die Fritz Walter für den legendären WM-Titel 1954 bekommen hat, sowie eine goldene Totenmaske und ein paar aufschlussreiche Urkunden.

Wie u. a. der Südwestrundfunk (SWR) und das Regionalblatt „Die Rheinpfalz“ berichten, wollen aufgebrachte Fans des 1. FC Kaiserslautern mit einer Crowdfunding-Aktion Teile des Sammelsuriums für ihren Verein und ihre Stadt retten; jene Stadt, deren Fußball-Arena nicht von ungefähr Fritz-Walter-Stadion heißt und die – Achtung, Kalauer! – ein FCK-Museum beherberg(er)t. Befürchtung der FCK-Anhänger: Manches Kicker-Kleinod könnte nach einer Versteigerung in privaten Kämmerlein verschwinden, statt der Öffentlichkeit zugänglich zu sein.

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Verlockungen der Bohème: Die Novelle „Später Ruhm“ aus dem Nachlass von Arthur Schnitzler

Früher einmal war Eduard Saxberger ein fescher junger Kerl und ein künstlerisch umtriebiger Dichter, der mit seinen poetischen „Wanderungen“ für Aufsehen sorgte. Doch das ist lange her. Heute ist er ein alter Mann, ein von der Welt vergessener Beamter, der in irgendeiner Wiener Behörde seit Jahrzehnten seinen Dienst leistet.

Seine einzige Freude sind die abendlichen Spaziergänge und die Besuche im Wirtshaus. Fast schon hat er vergessen, welche hochfliegenden Pläne er einst hatte und wie schön es gewesen wäre, allein vom Schreiben leben zu können. Doch dann steht plötzlich ein junger Mann vor seiner Tür, der sich als glühender Verehrer seiner frühen Verse und Mitglied des Schriftstellervereins „Die Begeisterten“ zu erkennen gibt. Geschmeichelt nimmt Saxberger zur Kenntnis, dass man ihn als Vorbild auserkoren habe und ihn einlade, an den Versammlungen und Lesungen ihres Zirkels teilzunehmen.

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Fasziniert von den hitzigen Debatten um echte und wahre Kunst, schließt sich Saxberger der literarischen Bohème an und ist angenehm berührt, als eine attraktive junge Schauspielerin seine Verse vortragen möchte. In der Hoffnung, er sei in einen kreativen Jungbrunnen gefallen, verspricht Saxberger sogar, für die geplante literarische Matinee ein paar neue Texte beizusteuern.

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Im Gewimmel der Ideen funkelt die Lebensweisheit – Bisher unveröffentlichte Texte von Jean Paul

Von Bernd Berke

Welch ein literarischer Schatzfund! Mit dem „Ideen-Gewimmel“ aus dem Nachlaß des Goethe-Zeitgenossen Jean Paul Friedrich Richter (1763-1825) wird dieser große Romanautor („Titan“, „Die unsichtbare Loge“. „Flegeljahre“), 171 Jahre nach seinem Tod, endlich auch als wortmächtiger Aphoristiker sichtbar.

Außer Georg Christoph Lichtenbergs „Sudelbüchern“ dürfte es keine ebenbürtige Sammlung von knapp gefaßten, in allen Facetten funkelnden Einfällen geben. Für die Herausgeber Thomas Wirtz und Kurt Wölfel war es keine leichte Aufgabe, diesen Strom von Texten zu kanalisieren. Demnächst sollen sechs weitere Bände erscheinen. Auch dann wäre erst ein Fünftel des riesigen Nachlasses von rund 40 000 Heftblättern publik.

40 000 Seiten lange nicht beachtet

Daß bisher nichts davon erschienen ist, hat mit den Wirren des Jahrhunderts zu tun: Herausgeber Eduard Berend mußte 1938 Deutschland verlassen, weil er als Jude verfolgt wurde. 1958 gelangten die Manuskripte, zuvor russisches Kriegs-Beutegut, nach Ost-Berlin zurück, wo sie den SED-Ideologen nicht gefielen und daher unbeachtet blieben. Manche Ideen blühten später in Jean Pauls Romanen, andere stehen unvermittelt als spontane Eingebungen da. Doch stets löst der Autor sein Ziel ein: „Der deutschen Sprache die Zunge lösen.“

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