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Schlagwort-Archive: T. C. Boyle
Nichts mehr zu retten – T. C. Boyles dystopische Storys „Das Ende ist nur ein Anfang“
Riley ahnt noch nichts von den Erschütterungen, die bald über ihn hereinbrechen und unzählige Opfer kosten werden. Um seinen neuen Roman in Frankreich vorzustellen, fliegt der US-Autor nach Paris. Als seine Frau Caroline ihn anruft und sich Sorgen macht, weil sich in Europa ein bisher unbekanntes Virus ausbreitet und erste Tote zu beklagen sind, wiegelt Riley ab und witzelt: „Mir passiert schon nichts. Schick mir einen Schutzanzug, okay? Für den Rückflug.“
Das Lachen wird ihm schnell vergehen. Denn nicht er, sondern Caroline wird vom Virus erfasst und getötet. Als bei der Trauerfeier Carolines Bruder, ein bigotter Christ und Plattitüden absondernder Schwätzer, von Jesus und Auferstehung predigt und sagt: „Das ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang“, überkommt Riley Wut und Zorn: „Ich weiß nicht, wo du Jesus findest, aber Carolines Moleküle sind da drüben, in der Urne mit dem Blumenkranz – und ein paar vielleicht noch im Kamin des Krematoriums.“… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur, Natur Klima Umwelt, Utopien & Dystopien
Verschlagwortet mit Das Ende ist nur ein Anfang, T. C. Boyle
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Bücher, kurz vorgestellt: Hotel, Proletariat, Apokalypse
Ich leiste Abbitte. Hier sind noch drei Bücher, die wohl eine ausführlichere Besprechung verdient hätten. Doch fehlte mir wegen besonders misslicher Umstände schlicht und einfach die Zeit, die jetzt schon wieder in Richtung Herbst galoppiert. Drum seien die Bände hier immerhin kurz vorgestellt:
Eine veritable Wiederentdeckung ist der Roman von Maria Leitner: „Hotel Amerika“ (Reclam, 256 Seiten, 25 Euro). Das erstmals 1930 erschienene Buch zählt zur Spezies der urbanen Hotelromane, die in den bewegten 1920er Jahren aufblühte. Kein Geringerer als Siegfried Kracauer rezensierte das Buch damals für die legendäre Frankfurter Zeitung und arbeitete die Unterschiede zu thematisch ähnlich gelagerten Schöpfungen von Vicki Baum und Joseph Roth heraus.
Maria Leitner, die selbst in prekärer Stellung in einem New Yorker Hotel gearbeitet hatte, schildert die Verhältnisse von „ganz unten“, aus Sicht des irischen Wäschemädchens Shirley, konzentriert auf Ereignisse eines einzigen Tages.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Arbeitswelt & Beruf, Buchmarkt & Lesen, Gesellschaft & Soziales, Lebenswege, Literatur, Natur Klima Umwelt, Region Ruhr
Verschlagwortet mit Die Arbeiter, Hotel Amerika, I Walk Between the Raindrops, Maria Leitner, Martin Becker, T. C. Boyle
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„Hart auf hart“: T.C. Boyle mit seinem neuen Roman auf der lit.COLOGNE
Schön, wenn die Literatur so große Säle füllt: Bis auf den letzten Platz ist der Musical Dome, die Interimsspielstätte der Kölner Oper, besetzt. Anlass ist die Lesung von T.C. Boyle, der seinen neuesten Roman auf der lit.COLOGNE vorstellt. „Hart auf hart“ ist bemerkenswerterweise zuerst auf Deutsch erschienen, die US-Amerikaner müssen noch bis Ende März warten, obwohl es um ein ur-amerikanisches Thema geht: um Waffenwahn und absoluten Freiheitsanspruch, den die Protagonisten besonders gegenüber ihrem Staat bis zum Letzten verteidigen.
T.C. Boyle, gewandet in T-Shirt, Jeans und rote Turnschuhe, hat sichtlich Spaß an der Bühnenperformance, „mein Rock-Star-Gen“ wie er es nennt. Literaturkritiker Denis Scheck, auch nicht auf den Mund gefallen, kann kaum seine Fragen zu Ende stellen, da quatscht Boyle schon los und erzählt aufgeräumt über seinen Tagesablauf als Schriftsteller, seine Liebe zur Natur, seine politischen Überzeugungen, seine Drogen-Vergangenheit und seine Schrotflinte und woher er die einst hatte.… Weiterlesen
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Märchenhafter Realismus: T.C. Boyles Roman „Wassermusik“ in Neuübersetzung
Mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks veröffentlicht T. C. Boyle seit 30 Jahren in kurzen Abständen seine Romane und Erzählungen.
Bei diesem Schreibrausch des US-Autors ist sein 1982 in einem Kleinverlag erschienenes Debüt „Wassermusik“ fast in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht, wie jetzt eine Neuübersetzung belegt.
Boyle reist mit dem Afrika-Forscher Mungo Park ins Herz der Finsternis und beutet dessen Aufzeichnungen poetisch aus. Weil Mungo Park von seiner zweiten Niger-Expedition (1806) nie wieder zurückgekehrt ist, kann Boyle das im Dunkeln der Geschichte liegende Scheitern nach Belieben ausschmücken.
Ein parallel verlaufender Handlungsstrang spielt in England. Im Mittelpunkt: Ned Rise, der stets Glück im Unglück hat, sogar seine eigene Hinrichtung am Strick überlebt und im Leichenschauhaus zu neuem, frechem Leben erwacht. Ned Rise ist eine ins Groteske gewendete Oliver-Twist-Figur, ein Satiriker der sozialen Verwerfungen.… Weiterlesen
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Die gnadenlose Zerstörung der Schönheit: T. C. Boyles Roman „San Miguel“
Will Waters, Veteran aus dem amerikanischem Bürgerkrieg, ist ein Eigenbrötler und hat kein Gespür für die Bedürfnisse und Sorgen seiner Familie. Dass er seine schwindsüchtige Frau Marantha ausgerechnet auf eine der öden Kanalinseln vor der Küste Kaliforniens bringt, ist ihr Todesurteil.
Will möchte auf San Miguel Schafe züchten, mit der Natur eins werden und seinem Leben einen neuen Sinn geben. Während er zupackt und alle Widrigkeiten ignoriert, setzen das garstige Klima und die monotone Einsamkeit Maranthas Gesundheit zu. Aufs Festland kehrt sie nur noch einmal zurück, um dort zu sterben. Jetzt ist es an ihrer Tochter Edith, sich gegen den tyrannischen Vater zu behaupten und der verhassten Insel endgültig zu entfliehen.
Schon in seinem vorigen Roman („Wenn das Schlachten vorbei ist“) hatte T.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Gesellschaft & Soziales, Lebenswege, Literatur, Natur Klima Umwelt, Utopien & Dystopien
Verschlagwortet mit Apokalypse, Ökologie, T. C. Boyle
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Sündenfall eines liberalen US-Bürgers – T. C. Boyles Roman „América“
Von Bernd Berke
Delaney Mossbacher ist ein liberaler, durch und durch toleranter Amerikaner. Rassismus? Nein, Gott bewahre! Alle Menschen haben doch gleiche Rechte. Ausgerechnet diesem Wohlmeinenden passiert es, daß er mit dem Auto einen illegal über die US-Grenze gekommenen Mexikaner schwer verletzt. Es ist wie der erste Sündenfall.
Mit verdammt schlechtem Gewissen drückt Delaney dem blutenden Menschen 20 Dollar in die Hand, überläßt ihn seinem Schicksal und fährt heim. So beginnt T. Coraghessan Boyles erschütternder Sozial-Roman „América“.
Natürlich hat es mit dem hochnotpeinlichen „Freikaufen“ von der Verantwortung nicht sein Bewenden. Cándido, der verletzte Mexikaner, und seine Landsleute werden Delaney immer wieder begegnen wie ein Fluch.
Man könnte es Klassenkampf nennen
Nach dem Unfall wankt Cándido mit letzter Kraft ins Dickicht abseits des Highway bei Los Angeles.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur
Verschlagwortet mit América, T. C. Boyle
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