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Gescheiterter Kraftkerl – „Tod eines Handlungsreisenden“ überzeugt in Dortmund

Tod eines Handlungsreisenden

Andreas Beck in der Titelrolle (rechts) und Uwe Rohbeck (Foto: Birgit Hupfeld/Theater Dortmund)

„Tod eines Handlungsreisen“ – das klingt so schön abgehoben, so zeitlos; und der Reisende ist in Religion oder Literatur ja sowieso oft mit quasi mythologischer Aufladung unterwegs, ins Totenreich oder ins Paradies, seiner alten Liebe hinterher oder wohin auch immer. Und möglicherweise ist gar der Weg schon sein Ziel. Auch Arthur Miller wird Gedanken wie diese gehabt haben, als er seinen dramatischen Welterfolg so abgehoben betitelte.

Seit das Stück wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in New York uraufgeführt wurde, mußte es in der Folgezeit, da fraglos auch ein Spiegelbild aktueller gesellschaftlicher Verhältnisse, wieder und wieder die Vorlage für wohlfeile Reflexionen und Ausdeutungen amerikanisch-kapitalistischer Verhältnisse abgeben. Nicht nur Pennäler wissen davon ihr Klagelied zu singen. Und es stellt sich die Frage, ob man dieses ausgequetschte, fast zu Tode interpretierte Stück heute überhaupt noch guten Gewissens auf die Theaterbühne stellen kann. Sagen wir’s ruhig vorneweg: Doch, man kann, wie jetzt im Dortmunder Schauspiel zu sehen ist.

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Leise kommt der Jammer – Jürgen Kruse inszeniert Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ in Bochum

Von Bernd Berke

Bochum. Da hat man vorher gewettet, welche Schätze der Regisseur Jürgen Kruse diesmal aus Rock- und Pop-Archiven heben würde, um sie mit ordentlichen Dezibel-Werten von der Bühne schallen zu lassen. Doch an dem fast vierstündigen Abend kommt es ganz anders.

Zwar setzt Kruse auch diesmal allerlei Musik (von Brenda Lee bis zu den Byrds) ein, doch nur als weiche Einbettung für den Text, den er mit großem Respekt vor dem Wortlaut inszeniert hat.

Auf dem Plan steht Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ (Uraufführung 1949), jenes tragische, manchmal auch ein klein wenig sentimentale Spiel vom Scheitern des „kleinen Mannes“ und seines amerikanischen Traums vom ungehinderten Fortkommen.

Ärmliche Wohnung in Brooklyn; lauter noch nicht abbezahlte Ratenkäufe. Trotzdem wirken die Möbel schon aufgebraucht. Wie in eine Puppenstube schauen wir in die zwei Etagen dieser Behausung (Bühnenbild: Steffi Bruhn). „Draußen“ dräut eine Hochhaus-Silhouette, man hört hektisches Hupen. Keine gute Gegend. Links von der Bühne, grinst „Uncle Sam“, der das Dach von einem Hause hebt und so in die Privatsphäre dringt.

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