Soziale Miniaturen (3): Profis

Vierköpfige Schülergruppe, nachmittags. Ungefähr 9 bis 10 Jahre alt. Plötzlich entfährt dreien von ihnen der gegen den Vierten gewendete Ruf: „Loser!“ Tadellos ausgesprochen, geradezu mit Kennerschaft dahingesagt. Man merkt die medial vermittelte Gewohnheit. Sagt man so. Macht man halt. Kommt in jedem dritten „Tatort“ vor. Anlass zweitrangig. Und sie kennen noch ganz andere Worte…

Dann die unvermeidliche und doch erstaunliche Steigerung: Die Drei skandieren „Mob-bing, Mob-bing, Mob-bing…“ Sie ironisieren es und lassen es doch nicht bleiben. Sie mobben sozusagen auf höherer Ebene, laut und schmutzig – und stehen zugleich drüber, sind abgebrühte Profis.

Zutiefst dümmlich und zugleich hochreflektiert.

Doch, das geht. Anything goes.

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), davon die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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4 Kommentare zu Soziale Miniaturen (3): Profis

  1. Michaela sagt:

    Genau das ist das Problem. In der Schule z. B. habe ich so manches Mal damit zu kämpfen. Immer wieder ist jemand Opfer der Gemeinheiten etc. anderer, aber ich darf ihn nicht Opfer nennen, weil ich ihn dann für die anderen noch lächerlicher mache.

    Von Auschwitz – natürlich – gar nicht zu reden.

  2. Bernd Berke sagt:

    Ich habe drauf gewartet, dass sie das auch noch nachschieben. Wahrscheinlich haben sie es sich für später aufgehoben.
    Wie will man solchen Leuten etwa von Auschwitz berichten, wie von den wirklich Opfern sprechen?

  3. Michaela sagt:

    Ein seit einiger Zeit schwer modernes und extrem perfides Schimpfwort lautet: “Opfer!”

  4. scherl sagt:

    nicht schlecht – die mobbing-wirkungen per keyword anstellen. das ist effizienz …

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