Soziale Miniaturen (10): Am Friedhofstor

Vier Rentnerinnen am schmiedeeisernen Tor zum Friedhof. Trautes Tratschen im Vorfeld der letzten Dinge.

Auf einmal kommt Bewegung in das Grüppchen. Schräg gegenüber, nah beim Hospiz, haben sie ein noch älteres Paar erblickt, vielleicht um die 85 Jahre. Es sind zwei, die innig zueinander gehören. Jetzt und für immerdar. Das sieht man sofort, wenn man es sehen will. Sie sind rührend umeinander bemüht. Die Erde wird ihnen daher so leicht, wie es noch irgend geht. Man mag an den Mythos von Philemon und Baucis denken. Aber diese beiden hier machen den Eindruck, als hätten sie sich erst kürzlich kennen gelernt. Etwas Neues, wie frisch Verliebtes ist in ihrem Tun, in ihrer ganzen Haltung, so gebeugt sie auch zwangsläufig sei.

Und die vier am Friedhofstor? „Ach, guckt mal da, unser Pärchen“, zischelt eine. Gelächter. Das steigert sich noch, denn eine andere ergänzt: „Unser Pärchen / wie Hans und Clärchen…“ Falscher Reim aufs Leben.

Impression vom Dortmunder Ostfriedhof (Bild: Bernd Berke)

Impression vom Dortmunder Ostfriedhof (Bild: Bernd Berke)

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), davon die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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Ein Kommentar zu Soziale Miniaturen (10): Am Friedhofstor

  1. Vor 4 Jahren schrieb ich zu einem verwandten Thema in Folge meines täglichen Randganges durch den Parkfriedhof in Bottrop:

    Für FJP
    von GFL

    Ich habe keine Angst vor dem Tod.
    Aber vor dem Sterben?
    Auch nicht.
    Vielleicht bin ich zu naiv
    und sollte sie haben.

    Ich suche die Friedhöfe nicht, aber ich meide sie auch nicht.
    Ich habe keine Scheu vor ihnen.

    Täglich, werktäglich täglich, führt mich mein Weg am frühen Morgen über den Parkfriedhof,
    den ich gelassen-bewusst an einem seiner in den letzten Jahren hinzugekommenen Zipfel passiere.
    Manche der Namen auf den Grabsteinen sind mir längst vertraut. Hinter jedem verbirgt sich
    ein mir meist unbekanntes Schicksal, eine Geschichte.

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