Verschärfte Startbedingungen – für den Abitur-Jahrgang 2013 wird es eng

Ich wusste es. Ich wusste es. Ich wusste es. Hab ich es nicht immer gesagt? Hab ich. 2013 wird der Numerus clausus verschärft. Der doppelte Abitur-Jahrgang lässt grüßen. 1,2 für Germanistik in Bochum. Das ist der Richtwert, Stand der Gerüchte, die durch ruhrische Schulen wabern. Da schon von einigen Medien offiziell aufgegriffen, darf ich mich wohl auch offiziell empören. Ich wiederhole: 1,2 für Germanistik in Bochum. Ja, nee iss klar.

Man hat es ja auch nicht kommen sehen. Ist so wie mit Weihnachten. Kommt immer völlig überraschend. Haben etwa Schulen rechtzeitig informiert und ihre Bedenken im Ministerium angemeldet? Haben Eltern schon frühzeitig gewarnt, Initiativen gegründet, Unterschriften gesammelt? Haben sie? Ja, verdammt. Das haben sie. War da was?

Es wird eine Lösung gefunden werden. Ich seh und hör sie noch alle vor mir. Die gesammelten Schulminister(innen) der letzten 13 Jahre. Wie sie geschwurbelt versichern, dass man das Problem des doppelten Abi-Jahrgangs 2013 nicht unterschätzen werde, für Lösungen werde gesorgt. Am Allerwertesten wurde gesorgt. Nix iss. Numerus clausus wird hochgesetzt. That’s it. Fertig. Lehrstellen sind übrigens so früh wie selten alle vergeben. Dies als kleine Info am Rande für die, die eine Umorientierung in Erwägung ziehen sollten. Braucht Ihr nicht.

Unser Ältester begann im Jahr 2000 seine Schulkarriere, gehört also zu den Letzten, die noch nach 9 Jahren Gymnasium (kurz G9) zur Reifeprüfung antreten. Gemeinsam mit der Stufe, die erstmals nach 8 Jahren Gymnasium (kurz G8) ihr Abitur macht. So alles gut geht, werden wir im nächsten Jahr eine Abi-Feier haben, bei der noch nicht mal alle Eltern in die Aula passen. Patchwork-Familienstiefväter und Mütter müssen draussen bleiben. Omas und Opas sowieso. Von Geschwistern gar nicht zu reden. Das ist in dem Fall aber auch nicht so schlimm. Die haben sowieso keine Zeit, die hängen nämlich im G8-System und haben bestimmt noch Unterricht. Wie unser Jüngster. Dieser orientiert sich derzeit in der Orientierungsstufe. In erster Linie an wahnwitzigen Stundenplänen. Täglich bis mindestens 16:00 Uhr, Dienstag sogar bis 18:30 Uhr. Aber er hat noch Glück. Seit diesem Jahr gibt es endlich eine Mensa. Wird aber nicht genutzt. Weil ziemlich teuer. Und die meisten Eltern müssen ja sparen. Es warten Studiengebühren. Wenn das so weiter geht, wahrscheinlich sogar im Ausland. Gut, dass wenigstens der Jüngste einen Platz im stark nachgefragten Niederländisch-Kurs bekommen hat. Ich fand Maastricht ja immer schon schön.

Seit der Älteste im Jahr der Jahrhundertwende seine Schulkarriere begann, haben wir unzählige Reformen und Reförmchen mitgemacht. Alle mit der heißen Nadel gestrickt, alle unausgegoren, angefangen mit der gleitenden Grundschuleinführung, weiter über Grundschule ohne Noten bis nun zum Gedöns um G8/G9.

Ich betone übrigens ausdrücklich, ich klage in diesem Punkt nicht über die Schulen. Die haben getan, was sie konnten und stimmen in mein Klagelied mit ein. Ich erinnere mich an Schuljahre ohne Bücher, weil diese noch nicht an G8 angepasst waren, an Lehrer, die Stunden um Stunden am Kopierer verbrachten, um Unterrichtsmaterial zu haben. Ich freue mich, dass mir die diversen Lücken im Unterrichtsplan Raum lassen, um meinen Kindern Brecht und Böll nahezubringen. Und fein, dass ich Zeitzeugin bin, dann kann ich glatt noch was zur Wiedervereinigung vermitteln, bis dahin werden wir es im Umterricht wohl nämlich nicht mehr schaffen. Ich erinnere mich genau an Elternabende, in denen das Ministerium ausrichten ließ, für den Abi-Jahrgang 2013 würden die Stufen getrennt bleiben und entsprechend des Wissensstandes unterrichtet werden. War da nicht mal was? Ging nicht. Ach so. Ja dann. Gut, dass die Schule reagiert und für die G8er, die nächstes Jahr ran müssen, Förderunterricht einplant. Das können die Eltern nämlich nicht auch noch leisten. Die gehen schließlich arbeiten. Es warten Studiengebühren. Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber so ist das. Endlos könnte ich mich aufregen, endlos.

(Die Autorin beherbergt und kümmert sich um einen, der 2013 nach 13 Jahren Schule Abi macht; um eine, die 2013 nach 12 Jahren Schule Abi macht und einen, der 2015 nach 12 Jahren Schule macht. Zufrieden ist keiner der drei. Ich darf mich also aufregen.)

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8 Kommentare zu Verschärfte Startbedingungen – für den Abitur-Jahrgang 2013 wird es eng

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  3. Britta Langhoff sagt:

    Keine Ahnung – ist auch besser, die Subtraktionsreform geht an mir vorbei. Ich subtrahiere und addiere weiter fein im Kopf, immer schön mit Eins im Sinn. Dafür ist man in NRW wohl gerade bestrebt, die Schreibschrift abzuschaffen…

    Ach, und ungeplante Freistunden gibt es nicht mehr. Sind mit der G8 Reform ganz offiziell abgeschafft worden. Das heisst jetzt EVA. Eigenverantwortliche Arbeit. Kein Witz.

  4. Einhard sagt:

    Bayern, gutes Stichwort – unlängst berichtete Quer ja über diese relativ neue alternative Subtraktionsmethode, die in der Grundschule fleißig gelernt wird – danach aber nicht länger, für fortgeschrittene Schüler muß es dann wieder ganz klassisch gerechnet werden; Lernzeit, die fehlt bzw. zuvor unnütz vergeudet wurde.

    Überhaupt – lernen ist doch längst völlig neu definiert, es geht nicht mehr um eine (neo)klassische Bildung, sondern um möglichst perfekte Mitarbeiter, idealerweise austauschbar, statt mit Persönlichkeit und somit Wissen und Durchblick.

    Früher sagten unsere Eltern „Kind, Du lernst nicht für die Schule, sondern fürs Leben“.

    Heute heißt es wohl eher: „Kind, Du lernst für die Schule, wenn nicht gerade ungeplante Freistunde ist“.

  5. Britta Langhoff sagt:

    Wohl wahr ! Sonntagsreden, nichts als Sonntagsreden. Wie kurzsichtig dieses Handeln ist, wird man wohl erst erkennen, wenn es zu spät ist.

    Schon. Aber glücklicher sind sie dadurch auch nicht. Und davon ab – der Drops ist ja noch nicht zu Ende gelutscht. Du weisst ja:Pferde, Apotheke und so.

  6. Britta Langhoff sagt:

    Danke Herr Häußner! Es hilft zwar nichts, aber es ist immer gut zu wissen, dass man sich nicht alleine aufregt. Den Aspekt, den Sie ansprechen, den sehe ich im übrigen ganz genauso. .

  7. spieler7 sagt:

    Das ist einfach eine Sauerei und dann betonen sie (die Herrschenden) immer, wie wichtig die künftigen Generationen sind und was sie alles für die Bildung tun wollen.

    Du hast ja noch Glück, dass du zwei so tolle Jungs hast. 🙂

  8. Werner Häußner sagt:

    Glückwunsch, Frau Langhoff! Jetzt kommt dieser Wahnsinn also auch hier. In Bayern haben wir das schon hinter uns. Mein Jüngster war auch betroffen. Wir haben uns alle aufgeregt und gegen dieses unsinnige G8 gekämpft. Leider umsonst. Wen wundert’s, dass die Politikverdrossenheit inzwischen alle Schichten der Gesellschaft erfasst hat? Wen wundert’s, dass die jungen Leute die Schnauze voll haben von einer Kaste, die ihnen den Start in die Zukunft auf diese Weise versaut? Ich kann mich nur aufregen – mit Ihnen zusammen!

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